Kleine Rechner, große Aufgaben

17. Juli 2007, 19:02
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Die siebente FIT-Ausschreibung zum Thema "Embedded Systems" soll noch mehr Spitzenforschung bringen

Hightech an der Zapfsäule: Während ein Auto getankt wird, läuft im Hintergrund ein komplexer Vorgang. Bis zu elf verschiedene Mikroprozessoren sorgen für den reibungslosen Ablauf, von der Messung der Treibstoffmenge bis zur fehlerfreien Übermittlung des zu bezahlenden Betrags an den Tankwart.

Embedded Systems sind eben allgegenwärtig und höchst unauffällig. Im Gegensatz zu herkömmlichen Computern sind es einfache Rechner mit ganz bestimmter Funktionalität, eingebettet im jeweils zu steuernden oder zu überwachenden System. Sie lenken so gut wie unbemerkt zum Beispiel den Brems- oder Beschleunigungsprozess in Autos oder sichern die Kommunikation zwischen Mobiltelefonbesitzern.

In der Informationstechnologie genießen sie einen hervorragenden Ruf. Auch in Österreich wird seit 2002 reagiert: Das Infrastrukturministerium (BMVIT) fördert Vorhaben mit dem Spezialprogramm "FIT-IT Embedded Systems". An Selbstbewusstsein mangelt es nicht: "Wir wollen weitere Internationalisierung und mehr heimische Organisationen an das Spitzenniveau der Forschung heranführen", verkündet Georg Niklfeld vom Programmabwickler FFG (Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft).

Zu den Auserwählten zählte bereits eCedac (Evolution Control Environment for Distributed Automation Components), realisiert vom oberösterreichischen Forschungsinstitut Profactor mit der TU Wien, Bachmann Electronic, Kirchner Soft, Loytec Electronics und Siemens VAI.

"Zentrale Steuerungen erfordern massive Eingriffe, wenn Änderungen an einer Anlage nötig sind. Meist wird das ganze Programm gegen ein anderes ausgetauscht, der Aufwand ist sehr hoch", sagt Thomas Strasser von Profactor. "Wir liefern eine Software, die den Vorgang klar vereinfacht. Es wird nicht das ganze Programm ersetzt, sondern nur Teile."

Möglicherweise sparen sich die Manager etwa in der Stahlindustrie auch Stressmomente, denn durch besagte Entwicklung muss die Anlage bei Änderungen nicht mehr stillgelegt werden, was Produktionsausfälle und finanzielle Einbußen verursacht – die Prozesse können mit diesem Tool auch im laufenden Betrieb durchgeführt werden.

Mit derartigen Ideen können Spezialisten immer wieder öffentliche Mittel lukrieren: Die FIT-IT-Ausschreibung geht bereits in die siebente Runde. Das Fördervolumen beträgt rund drei Millionen Euro. Geplante Deadline ist der 30. Juli 2007, 12 Uhr – dann müssen Einreichungen bei der FFG eingelangt sein. Im September werden die Entscheidungen der Jury bekannt gegeben.

Das Unternehmen Decomsys, die TU-Wien und die Fachhochschule Technikum Wien waren zum Beispiel mit dem Projekt "Compass" erfolgreich. Hintergrund: Elektronische Steuergeräte und deren Vernetzung sind in Fahrzeugen immer öfter up to date, um mehr Sicherheit, Funktionalität und Komfort bei reduzierten Kosten sowie gesteigerter Umwelteffizienz zu bieten. Ein Hauptbestandteil ist die Netzwerkinfrastruktur und eine damit verbundene Kommunikationssoftware. Hierfür sind zuverlässige, günstige Lösungen nötig, damit Komponenten von unterschiedlichen Herstellern problemlos in ein solches System integriert werden können.

"Schwerpunkt des Projekts ist es, komponentenbasierte Ansätze zur Implementierung dieser Infrastruktur für den Automobilbereich anwendbar zu machen", erklärt Thomas Galla von Decomsys. "Dazu werden Programme in kleinere, funktional abgegrenzte Bestandteile unterteilt, welche eine definierte Schnittstelle aufweisen. So entsteht die Möglichkeit der Wiederverwendung und Austauschbarkeit dieser Komponenten plus Integration von Produkten verschiedener Herkunft."

Der Embedded-Systems-Boom hält an, die Europäische Kommission setzt ebenfalls einen Schwerpunkt: Bei "Artemis" ist eine der sechs Technologieplattformen für Joint Technology Initiatives (JTI) gedacht. Diese vereinen erstmals Ressourcen der Europäiischen Kommission mit nationalen und privaten Ressourcen und verfolgen dabei gemeinsame Ziele innerhalb eines Programms.

Seit Anfang 2007 können auch Klein- und Mittelbetriebe teilnehmen. Die Mitgliedschaft um 1000 Euro pro Jahr berechtigt zur Stimmabgabe bei Kernentscheidungen und gibt die Chance, die Strategic Research Agenda zu beeinflussen, wo Zielsetzungen und Forschungsrichtungen von Artemis festgehalten sind. Die Investition öffnet außerdem die Türe zu einem internationalen Netzwerk mit potenziellen Forschungspartnern.

Förderausschreibungen werden aber erst für 2008 erwartet. Trotzdem geht diese Euro-Aktivität am siebenten FIT-IT-Call zum Thema keineswegs spurlos vorüber. Niklfeld: "Organisationen, die sich mit neuen Möglichkeiten noch nicht ausführlich auseinandergesetzt haben, sollen Impulse zur Optimierung ihrer Forschungs-Roadmaps erhalten. Deshalb stehen jetzt thematisch die von Artemis definierten Herausforderungen im Vordergrund." (Christian Prenger, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18. Juli 2007)

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    Vor allem Autos haben heute einen hohen Elektronikanteil, der gesteuert werden muss.

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