Tierische Kühlungsstrategien

17. Juli 2007, 18:52
posten

Auch die Tiere leiden unter der Hitze dieser etwas früh angebrochenen Hundstage - wie sich Vögel, Säuger und Insekten kühlen

Nicht nur wir Menschen, auch die Tiere leiden unter der Hitze dieser etwas früh angebrochenen Hundstage, die ihren Namen allerdings nicht den Hunden, sondern der "Rückkehr" des Fixsterns Sirius (der ist nämlich Hauptstern im Sternbild Großer Hund) an den Morgenhimmel verdanken.

Grundsätzlich sind im Tierreich nur Vögel und Säuger imstande, ihre Körpertemperatur konstant zu halten. Alle anderen Wirbeltiere (also Fische, Amphibien und Reptilien) sind wechselwarm, was bedeutet, dass ihre Körpertemperatur mit der Umgebungstemperatur schwankt. Amphibien und Reptilien steuern ihre Körperwärme hauptsächlich durch Verhalten. Das heißt, sie suchen warme Steine zum Aufheizen auf und Schatten oder feuchte Erde, wenn es heiß ist.

Vögel hingegen haben eine Normalkörpertemperatur von rund 40 Grad Celsius. Damit liegen sie schon im "Normalbetrieb" nur 4,5 bis 7 Grad unter der Letalgrenze (denn noch höhere Temperaturen verträgt kein Eiweiß). Da sie keine Schweißdrüsen haben, können sie bei Hitze nur durch Verdunstung von Wasser (über die Haut oder durch Hecheln) einen Kühleffekt erzielen.

Kühlender Kot

Manche Arten haben spezielle Methoden, wie der in den Tropen beheimatete Waldstorch (Mycteria americana), der bei hohen Temperaturen einen stark wasserhaltigen Kot erzeugt und sich auf die Beine spritzt, womit er eine Abkühlung von einem Grad Celsius erzielt. Der Wasserbedarf von Vögeln ist umgekehrt proportional zum Körpergewicht. Wasser wird mit der Nahrung aufgenommen und/oder aus Wasserflächen, Pfützen, Tautropfen usw. Schwalben trinken sogar im Flug. Manche Vögel können sehr lange ohne Wasser auskommen: Zebrafinken bis zu mehrere Monate. Manche Seevögel können sogar Salzwasser trinken, das Salz scheiden sie über eigene Drüsen wieder aus.

Säugetiere wie wir Menschen haben vom Nervensystem gesteuerte Schweißdrüsen, was ihnen ermöglicht, Verdunstungskälte zu erzeugen. Arten, die das nicht haben – wie zum Beispiel Hunde –, müssen hecheln. Manche Fledermäuse verwenden Speichel und/oder Harn zum Abkühlen. Manche Känguru-Arten speicheln sich gar ein.

Elefanten erzeugen einen Kühleffekt, indem sie ihre großen, gut durchbluteten Ohren bewegen. Baden liefert sofortige Erleichterung bei Hitze und sorgt durch die Verdunstung auch danach noch ein Weilchen für Abkühlung. Länger hält der Effekt an, wenn man sich in Schlamm suhlt, wie das zum Beispiele Wildschweine machen.

Bienen wiederum kühlen ihre Brut, indem die Arbeiterinnen den Waben mit den Flügeln Luft zufächeln. Außerdem tragen sie Wasser in den Stock, das sie an Pfützen oder von Tautropfen aufnehmen und im Honigmagen transportieren. Im Stock würgen sie die Tropfen aus und verteilen sie auf den Waben. Der lokaler Kühleffekt beträgt bis zu drei Grad. (strn, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18. Juli 2007)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Ein Bad im kühlen Nass verschafft Tier und Mensch sofortige Erleichterung bei großer Hitze.

Share if you care.