Angebliches Klimt-Bild: Für Weidinger "definitiv kein Klimt"

17. Juli 2007, 18:25
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Belvedere-Vizedirektor: Fünf bis sieben Originale Klimts dürften noch existieren, italienisches Bild ist keines davon

Rom/Wien - Das Porträt einer jungen Frau mit einem hellblauen Tuch um den Hals, das in einem Keller in der Nähe von Mailand gefunden wurde, weist laut einigen italienischen Experten und dem Entdecker des Gemälde, Gino Cassamagnaghi, verblüffende Ähnlichkeiten mit dem Klimt-Gemälde "Porträt von Johanna Staude" auf.

Laut dem italienischen Experte Nello Balossino, der unter anderem das Turiner Grabtuch überprüft hat, könnte das Gemälde eine erste Version von Klimts "Porträt von Johanna Staude" sein, da der Maler öfters zwei Varianten eines selben Themas entwarf. "Wenn man das Bild genau betrachtet, merkt man wie die Farben, der Stil und die Striche jenen anderer Klimt-Gemälde auf unglaubliche Weise ähneln", betonte Cassamagnaghi im Gespräch mit der APA.

Cassamagnaghi beauftragte den bekannten Experten der Turiner Universität Nello Balossino, das Werk zu überprüfen. Balossino, der innovative Methoden zur Feststellung des Alters des Turiner Grabtuchs entwickelt hat, erklärte sich in einem dieser Tage veröffentlichten Gutachten überzeugt, dass das Frauen-Porträt in Cassamagnaghis Gemälde große Ähnlichkeiten mit Klimts "Johanna Staude" vorweist. Auch die italienische Kunstprofessorin an der Universität Pavia, Rossana Bossaglia, die zu den größten Klimt-Experten in Italien zählt, zeigte sich von der Authentizität des Werks überzeugt, das vom Künstler wie auch andere Bilder nicht signiert wurde.

"Ich bin vollkommen überzeugt, dass das Gemälde echt ist. Ich möchte, dass seine Authentizität anerkannt wird. Ich will jedoch, dass sich auch Kunstbehörden in Österreich darüber aussprechen. Ich habe bereits der Leitung des Belvedere-Museums Dokumente geschickt, die die Echtheit des Bildes bezeugen. Nur nachdem auch die österreichischen Behörden über das Bild geurteilt haben werden, kann ich zufrieden sein", betonte Cassamagnaghi.

Stellungnahme des Belvedere-Vizedirektors

Gewissheit herrscht um die angebliche Authentizität des Gemäldes aus Italien bei den Wiener Experten: "Das ist definitiv kein authentisches Werk des Künstlers" Gustav Klimt, sagte Alfred Weidinger, Vize-Direktor des Belvedere und Autor eines im Herbst erscheinenden Klimt-Werkverzeichnisses, im Gespräch mit der APA. Dies habe man dem Besitzer bereits vor eineinhalb Monaten mitgeteilt.

Es gebe eine "ganze Menge solcher Bilder", die immer wieder auf unterschiedliche Arten einem berühmten Künstler zugesprochen werden sollen. "Zwischen fünf und zehn Bilder sind permanent im Umlauf", an deren Authentifizierung "massiv gearbeitet" werde. Denn es gehe dabei "immerhin um gigantische Werte".

Dass hingegen ein echtes Klimt-Bild auftaucht, sei auch möglich: Fünf bis sieben Originale Klimts dürften noch existieren, sind aber derzeit verschollen, so Weidinger. Im Herbst soll ein Katalog mit allen Werken Klimts erscheinen, sagte Weidinger, der Autor des Werkverzeichnisses ist und in dieser Funktion von den italienischen Besitzern befragt wurde. (APA)

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