Satellitenprojekt Galileo: EU und USA auf Kuschelkurs

25. Juli 2007, 08:00
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Fehlende Betreiberlösung verunsichert Entwickler und Anwender

Beim europäischen Satellitennavigationsprojekt Galileo, das in den vergangenen Monaten wiederholt mit Schwierigkeiten zu kämpfen hatte, zeichnet sich eine Vereinbarung mit den USA ab. Wie ein US-Vertreter gestern, Montag, bekannt gab, werden die USA und die Europäische Union in Kürze einen Vertrag unterzeichnen, der die Interoperabilität der beiden Satellitensysteme GPS und Galileo vorsieht. Anwender sollen über dual-fähige Geräte von den beiden Systemen profitieren, indem schlecht abgedeckte Regionen besser versorgt werden.

Kein großes Problem

"Dass Navigationsgeräte in Zukunft auf beide Systeme zugreifen können, war immer eine Zielsetzung und ist technisch auch kein großes Problem. Dass man auch auf politischer und juristischer Ebene eine Vereinbarung treffen muss, ist naheliegend", erklärt Werner Schmidt, technischer Leiter des Forschungs- und Entwicklungszentrum bei Eurospace , im Gespräch mit pressetext. Ein einheitliches System werde es aufgrund der Eigeninteressen der USA sowie der Europäischen Union wohl kaum geben. Durch die prinzipiell doch unterschiedliche Technologie sowie das divergierende kostenpflichtige Angebot mache eine parallele Nutzung auch auf längere Sicht in jedem Fall Sinn, so Schmidt.

Diskussionen wegen der wackligen Finanzierung

Am Wochenende war es beim Treffen der EU-Finanzminister erneut zu heftigen Diskussionen wegen der wackligen Finanzierung des europäischen Prestigeprojektes gekommen. Nach dem Ausstieg des vorgesehenen Betreiberkonsortiums aus dem Projekt ist einmal mehr die öffentliche Hand gefragt, um den Aufbau des Satellitensystems zu stützen. Auch die Haftungsfrage für etwaige Störungen und Probleme ist bis heute nicht geklärt. "Es liegt jetzt bei der EU bzw. der Kommission, möglichst schnell ein professionelles Betreiberkonzept auf die Beine zu stellen", so Schmidt weiter. Panikmache sei zwar nicht angesagt, dennoch sei es allerhöchste Zeit, potenzielle Betreiber, Entwickler und Nutzer ins Boot zu kriegen. Denn so ein System lebe schließlich von den Geräten am Boden, ist Schmidt überzeugt. (pte)

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