Verführung mit der Kraft eines Löwen

31. Juli 2007, 19:02
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Weil "Posing Project B – The art of seduction" eine "erfrischende Vision der Zukunft des Tanzes" ist, verlieh die Jury der Biennale di Venezia dem österreichischen Choreografen Chris Haring den Goldenen Löwen

Jetzt ist das Stück erstmals in Österreich zu sehen.

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Die Jury des Tanzfestivals der Biennale in Venedig, wo der österreichische Choreograf Chris Haring kürzlich mit Posing Project B – The art of seduction den Goldenen Löwen für die beste Aufführung gewann, war begeistert: "Haring geht auf intelligente, originelle und vielschichtige Weise mit dem Thema Körper und Eros um. Mit Humor spiegelt er die geläufige Vorstellung von Erotik und verwandelt sie in ein Stück, das unsere Vorliebe für sich darstellende Körper vorführt."

Beeindruckt von der Unmittelbarkeit der Choreografie und der Interpretation von Liquid Loft (getanzt von Luke Baio, Stephanie Cumming, Alexander Gottfarb, Katharina Meves und Anna Maria Novak), die "auf subtile und komplexe Art unter die Haut geht", schwärmte die Jury: "The art of seduction ist eine erfrischende Vision der Zukunft des Tanzes." Nach der Uraufführung bei der Biennale ist das derart ausgezeichnete Stück nun bei ImPulsTanz zu Gast. Es ist der zweite Teil einer Reihe, genannt Posing Projects, die sich mit der Kunst der innovativen Selbstdarstellung auseinandersetzt. Anhand von eindrucksvollen Stereotypen der Verführung wird die Methode des Posierens ausgestellt. Die Posing Projects bilden eine Synthese von Tanz und Installation voller visueller Virtuosität in einem ausgeklügelten Klangraum.

Fröhliche Diskurse

Haring, dessen Wurzeln in der Musik- und Bewegungserziehung liegen, begreift erklärter Weise in seinen Choreografien den technikdurchzogenen Körper als Kern neuer künstlerischer Entwicklungen, funktional wie auch bewegungsästhetisch.

Nach der befruchtenden Zusammenarbeit mit internationalen Gruppen wie dem DV8 Physical Theatre sowie der Kollaboration mit heimischen Kompagnien wie Pilottanzt oder Tanz*Hotel gründete Haring 2005 gemeinsam mit u.a. Thomas Jelinek und Stephanie Cumming Liquid Loft. Mit deren Produktionen kind of heroes, my private bodyshop und Running Sushi (mit dem Liquid Loft bei ImPulsTanz 2006 zu Gast war) feierte die junge Gruppe bereits internationale Erfolge, deren vorläufige Krönung nun der Goldene Löwe ist. Ob sie sich das vorzustellen gewagt hatten?

"Wir sind, wie wir uns vorstellen", war die zu reflektierende Devise des ersten Teils The Art of Wow des Posing Project, der vergangenen April im Tanzquartier Wien herausgekommen ist. Fröhliche Diskursivität und ein ironisches Hintertreiben des Terrors neuer gesellschaftlicher Zwänge waren das Ergebnis.

In The art of seduction werden wie schon bei The Art of Wow in extrem reduzierten Modellräumen Kommunikationsgrundmuster nachgestellt. Die Ausgangsfrage diesmal klingt gigantomanisch: "Wie verführe ich die Welt?" Dabei ist ein Teil der Welt ja schon verführt – von Liqid Loft. (Judith Helmer, DER STANDARD/Printausgabe, 17.07.2007)

>> "The art of seduction", Semper Depot, 8., 10., 11. 8., 21.00
  • Die große Tänzerin Stephanie Cumming in einer erfrischenden "Vision der Zukunft des Tanzes" mit dem Titel "The art of seduction".
    foto: haring

    Die große Tänzerin Stephanie Cumming in einer erfrischenden "Vision der Zukunft des Tanzes" mit dem Titel "The art of seduction".

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