Der Mode verfallene Engel

18. Juli 2007, 12:40
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Christian Lacroix ist einer der begnadetsten Inszenierungskünstler - Für eine Ausstellung im Wiener Semper Depot werden, umgekehrt, seine Werke in Szene gesetzt ...

Er ist der Theatermacher unter den Modeschöpfern. Ein Feingeist, der die große Geste liebt. Farben, pompöse Formen, weibliche Frauen. Damit punktet Christian Lacroix, seitdem er 1987 die Bühne der Pariser Haute Couture betrat. Das Times Magazine widmete ihm damals seine Titelgeschichte – eine Ehre, die noch kaum einem Modedesigner erteilt wurde. Endlich wagte es wieder jemand, Mode als Fest zu inszenieren. Feministinnen waren über die vielen Korsagen weniger erfreut.

20 Jahre später ist Lacroix noch immer einer der umtriebigsten Inszenierungskünstler – auch wenn die Couture nur eine Beschäftigung unter vielen ist. Neben seinen unzähligen Modekollektionen arbeitet er als Ausstatter für Tanz-, Theater- und Opernproduktionen (u.a. für die im Februar 2008 im Theater an der Wien gastierende Monteverdi-Oper Era la notte), er designt für Fluglinien und die Eisenbahn, und vor Kurzem stellte er gar eine Kollektion für ein Versandhaus vor.

Gleich mehrere Ausstellungen widmen sich im Jubiläumsjahr dem Modemacher: Eine der spannendsten ist jene des französischen Choreografen Christian Rizzo und des Szenografen und Designers David Dubois. Sie setzten anlässlich einer Ausstellung im südfranzösischen Hyères einzelne Kreationen des Modemachers in Szene. Jetzt wird die kleine "Lacroix-Retrospektive" für Wien adaptiert.

Surreale Badenymphe

"In Hyères", erklärt Rizzo, "war die Ausstellung eine Auseinandersetzung mit dem Ort, an dem sie gezeigt wurde." In der Künstlervilla Noailles verbrachte Picasso seine Ferien, Man Ray, Luis Buñuel oder Cocteau waren zu Besuch. Eine Auseinandersetzung mit dem Surrealismus sollte auch die Ausstellung sein: Auf dem Grund des weiß gekachelten Schwimmbades der Villa lag eine Nymphe in goldenem Kleid, bewacht von einer Riesenschildkröte. Eine Diva im Abendkleid flüchtete in eine Umkleidekabine, aus einem Zelt baumelten bestiefelte Beine. Auch im Semper Depot wird man diesen "gefallenen Engeln" wieder begegnen. Die Ausstellung, so Rizzo, werde im Wien aber ganz anders funktionieren.

Er selbst kennt Lacroix, der im Übrigen selbst schon im Semper Depot gearbeitet hat, schon lange. "Er ist ein treuer Besucher meiner Tanzarbeiten." Für die Retrospektive erteilte Lacroix den beiden Kuratoren eine Carte blanche. Rizzo ist für die Körperinszenierungen zuständig, Dubois für jene des Raumes.

Die aufwändigen Couture-Kleider des Meisters interessierten die beiden übrigens weniger. Sie beschränkten sich auf die Prêt-à-porter. Weniger kann manchmal mehr sein. (Stephan Hilpold, DER STANDARD/Printausgabe, 17.07.2007)

>> "Christian Lacroix – Retrospektive" im Semper Depot, vom 19. 7. bis 6. 8, 11–20.00 (geschlossen am 22. + 29. 7.)
  • Mit Fantasie und Ironie schicken der Choreograf Christian Rizzo und der Szenograf David Dubois dynamische Kreationen von Christian Lacroix ins Semper Depot.
    foto: rizzo & dubois

    Mit Fantasie und Ironie schicken der Choreograf Christian Rizzo und der Szenograf David Dubois dynamische Kreationen von Christian Lacroix ins Semper Depot.

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