Richtiges Verhalten bei Hitze: Experten fordern bessere Aufklärung

25. Juli 2007, 11:21
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Höhepunkt der Hitzewelle am Freitag erwartet - Infoblätter und Kampagnen gefragt - Risikogruppe Alte Menschen und Kinder - Mehr Tote an Hitzetagen

Am Freitag erwartet uns in Österreich der Höhepunkt der Hitzewelle mit bis zu 39 Grad, viel Sonne und Wärmegewittern. Eine intensivere Auseinandersetzung mit dem Thema Hitze wünscht sich Experte Hans-Peter Hutter vom Zentrum für Public Health der Medizinischen Universität Wien. Man könne nachweisen, dass Personen sterben, weil sie sich an Hitzetagen falsch verhalten, so Hutter im Ö1-Morgenjournal. In anderen Ländern wie in Spanien oder der Schweiz gebe es Informationskampagnen über die Medien. In Österreich sollten bei Hausärzten, in Spitälern und Seniorenwohnheimen Factsheets und Poster aufliegen. Zu den Risikogruppen zählen vor allem Säuglinge und ältere Personen über 65 sowie Menschen mit mangelnder Fitness, Übergewicht oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Ausreichend trinken, leichte Kost essen, kühlende Tücher auflegen, während des Tages die Fenster geschlossen halten und erst in der Nacht lüften, nicht zu viel bewegen, rät der Experte. Säuglinge sollten nicht in heißen Räumen liegen.

Mehr Hitzetote

Hutter und Kollegen haben in einer Studie (veröffentlicht in der "Wiener Klinischen Wochenschrift") nachgewiesen, dass im Hitzesommer 2003 in Wien zumindest 130 Menschen an den Folgen der Temperaturen starben. In Frankreich rechnete man mit zusätzlichen rund 5.000 Toten, in Italien kamen die Experten auf 20.000 zusätzliche Todesfälle. Doch auch Österreich war offenbar betroffen. Während der Hitzewelle des Jahres 2003 mit mehr als 30 Grad Celsius an durchgehend zumindest drei Tagen seien etwa die sonst eintretenden Todesfälle in Wien um den Faktor 1,13 erhöht gewesen.

Frauen wurden offenbar häufiger Opfer der Hitze als Männer. Die Fachleute: "Obwohl die Sterblichkeitszunahme in allen Altersgruppen beobachtet werden konnte, waren die Ergebnisse nur bei älteren Personen (über 65 Jahre) signifikant." Besonders erhöht - um den Faktor 1,55 -war auch das Sterberisiko von männlichen Säuglingen.

Auswertung

Die Fachleute hatten die Todesstatistiken für Wien zwischen 1998 und 2004 ausgewertet. Hinzu kamen die Temperaturdaten der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG). Während der Hitzewellen - mehr als drei Tage mit mehr als 30 Grad Höchsttemperaturen - war demnach an jedem Tag die Zahl der Todesfälle in Wien um 13 Prozent höher als "normal".

Das Fazit der Autoren: "Auch wenn die Folgen der Hitzewellen nicht so ausgeprägt waren wie in Frankreich und Südwesteuropa, war in Wien im Sommer 2003 die tägliche Sterblichkeit erhöht. Zumindest 130 Todesfälle hätten in diesem Jahr durch prompte medizinische Hilfe und rechtzeitige Aufklärung der Risikogruppen zum Verhalten bei extremer Hitze verhindert werden können. Die Häufigkeit extremer Hitze-Episoden wird voraussichtlich als Folge der globalen Erwärmung zunehmen. Speziell auf die ältere Bevölkerung ausgerichtete Vorsorgeprogramme sind daher erforderlich." (red)

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    Die Hitze in Österreich erreicht am Freitag ihren Höhepunkt. Experten verlangen bessere Aufklärung und Infokampagnen zum richtigen Verhalten an heißen Tagen.

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