Der Hitze und der Bäder Wellen

24. Juli 2007, 14:59
26 Postings

Das Wetter bleibt weiterhin heiß - Wer auf Abkühlung wartet, muss auf Gewitter hoffen oder sich in den Freibädern drängen

Am Sonntag taten dies alleine in Wien 111.753 Menschen. In der Bundeshauptstadt gab es auch schon die erste Ozon-Warnung.

* * *

Wien/Linz – Einem 51-jährigen Oberösterreicher wäre die Hitze am Sonntag beinahe zum Verhängnis geworden: Er ist bei einer Bergtour in Gosau bewusstlos zuammengebrochen – schuld daran war vermutlich ein Hitzekollaps. Der Mann konnte gerettet werden. Der Berg-Unfall blieb längst nicht der einzige Hitze-Einsatz: So gab es in der aufgeheizten Thermik mehrere Paragleiterunfälle mit Schwerverletzten, österreichweit hatte die Rettung jede Menge zu tun. In Wien wurde ein Plus von fünf bis zehn Prozent bei den Ausfahrten verzeichnet. Vermehrte Einsätze vermeldete auch Niederösterreich.

In den Vorarlberger Landeskrankenhäusern sind vorerst 13 Personen hitzebedingt behandelt worden.In den Wiener Spitälern wird ein „Patientenansturm“ im Laufe der Woche erwartet. „Mein Gefühl ist, dass es erst heute Abend oder morgen mehr Patienten geben wird“, sagte die Internistin Susanne Drapalik, Leiterin der Stabsstelle für Sofortmaßnahmen im Wiener Krankenanstaltenverbund (KAV), am Montag. Bis bei Kindern und älteren Menschen erste Auswirkungen einer Austrocknung merkbar würden, dauere es ein bis zwei Tage, erklärte die Äztin.

Auch wenn die Sommerhitze Österreich weiter fest im Griff hat – von der Rekordmarke von 39,7 Grad (gemessen am 27. Juli 1983 in Dellach/Drautal in Kärnten) sind die Temperaturen noch entfernt. Spitzenreiter am Wochenende war Kufstein in Tirol mit 36,4 Grad.

Spitzenreiter Wien Am Montagnachmittag war dann laut Meteomedia Wien der ostösterreichische Spitzenreiter: Dort wurde in der Innenstadt bei 37 Grad Hitze-gebrütet. Nur unwesentlich „kühler“ war es auf der Hohen Warte – bei 36,4 Grad. Ein Wert, der beispielsweise auch in St. Pölten und in Langenlois gemessen wurde.

Und es bleibt heiß: Wie die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) prognostiziert, werden die Tagestemperaturen weiterhin meist über 30 Grad liegen. Kurzzeitige Abkühlung versprechen einzelne Gewitter. Am Dienstag, ist etwa gegen Abend stellenweise mit Unwettern zu rechnen. Die Tageshöchsttemperaturen liegen meist bei 31 bis 38 Grad, nur im Westen gibt es geringere Werte zwischen 27 und 31 Grad.

Ozonwarnung

Steigen die Temperaturen, schießen auch die Ozonwerte in die Höhe: Sonntagmittag ist in Wien die Alarmschwelle für die Konzentration von bodennahem Ozon für etwa zwei Stunden überschritten worden. Die Werte stiegen auch am Montagnachmittag wieder an: Die Alarmschwelle wurde allerdings nicht erreicht, lediglich am Hermannkogel wurden „unbefriedigende“ Werte gemessen.

Der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) rechnete trotzdem am Montag damit, dass der Alarm-Grenzwert in den kommenden Tagen erneut erreicht wird. Ist dies der Fall, sollten sich gefährdete Personen wie Kinder mit überempfindlichen Bronchien, Personen mit schweren Erkrankungen der Atemwege oder des Herzens, sowie Asthmakranke dann möglichst in Innenräumen aufhalten. Generell sollte bei derart hohen Ozonwerten auf ungewohnte Anstrengungen im Freien verzichtet werden – sofern man in der brütenden Hitze überhaupt Lust dazu hat.

Handtuch-Hupfen

Die tropischen Temperaturen haben am Wochenende auch für die erwarteten Besuchermassen in Wiens städtischen Freibädern gesorgt. Im Strandbad Alte Donau – beispielsweise – war beim_Weg zum Wasser akrobatisches Können von Vorteil, um mit den Füßen nicht auf ein Handtuch, sondern auf die letzten Flecke Grün zu treten. Insgesamt 111.753 Badegäste wurden am Sonntag in Wien gezählt. Am Bestwert von 114.835 Besuchern (26. Juni 2006) ist man trotzdem vorbeigeschrammt, einen Rekord gibt es aber: Im Gänsehäufel ist mit 29.621 Gästen die bisherige Höchstzahl gleich um 5535 Besucher übertroffen worden.

Keine gute Idee ist – und war – es mit dem Auto zum Freibad zu fahren. Wer dort einen Parkplatz sucht, brütet in der Hitze. Nachdenklich machendes gibt es auch von den Verkehrsklubs: Klimatisierte Autos verbrauchen laut einem Test des ÖAMTC fast ein Drittel mehr Sprit. Der ARBÖ weiß wiederum, dass die Farbe des Wagens erheblichen Einfluss auf die Erwärmung im Wageninneren hat: Fahrzeuglenker dunkler Autos kommen demnach am leichtesten ins Schwitzen.

Spinnen-Alarm

Die hochsommerlichen Temperaturen hatten übrigens auch Auswirkungen auf die Tierwelt – nicht nur, dass etwa im Linzer Zoo extra Duschen für Alpakas, Straßen und Umes aufgestellt wurden: Denn in der Hitze fühlen sich die aus dem Mittelmeerraum eingewanderten Dornfingerspinnen so richtig wohl. Angeblich soll bereits ein 71-jähriger Pensionist in Altmünster (Bezirk Gmunden) von solch einem Tier gebissen worden sein. Jener habe gerade eine Kiste vom Dachboden holen wollen, verspürte plötlich einen stechenden Schmerz in der Brust, sah noch, wie sich vor ihm eine Spinne in die Höhe gezogen habe – und erlitt dann einen Kreislaufzusammenbruch.

Bereits im Sommer 2006 wurden aus mehreren Bundesländern etliche Zwischenfälle mit der bis zu 15 Millimeter großen, braungelben Spinne gemeldet. Bisse des Tieres, das wegen des Klimawandels auch schon in Österreich heimisch geworden sein soll, sind schmerzhaft, aber nicht tödlich. Es kann unter Umständen zu allergischen Reaktionen wie bei einem Wespen- oder Hornissenstich kommen. Im Fall eines Bisses sollte ein Arzt aufgesucht werden. Wilde Wassertrinker

Für die Menschen ohne Tierkontakt lautet die wichtigste medizinische Regel dieser Tage: Trinken, trinken, trinken. Und zwar tunlichst nichts Alkoholisches. Auch gesüßte Säfte und Kaffee sind für die Ernährungsexpertin Ingrid Kiefer „Tabu“. Erhitzte Gemüter sollten vielmehr zu wilden Wassertrinkern werden: Kiefer empfiehlt Leitungs- oder Mineralwasser, ungesüßte Kräuter- oder Früchtetees sowie verdünnte Obst- oder Gemüsesäfte. (APA, frei, pm/DER STANDARD-Printausgabe, 17.7.2007)

  • Hitzestau auch in und rund ums Freibad: Auf dem Weg zum Wasser war akrobatisches Können gefragt.
    foto: christian fischer

    Hitzestau auch in und rund ums Freibad: Auf dem Weg zum Wasser war akrobatisches Können gefragt.

Share if you care.