Wann kommt denn endlich eine Tranny?

17. Juli 2007, 07:00
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Die Nachfrage nach transsexuellen Prostituierten boomt - trotz des "Starrummels" stehen diese meist am Rand der Gesellschaft

Graz - "Frauen mit Penis sind der neue Trend", berichtet eine Sexarbeiterin. Nach ihnen bestehe derzeit im Sexgeschäft größte Nachfrage. "Ein Kunde hat geschwärmt, wie faszinierend es sei, wenn eine schöne Frau auch noch einen Penis hat."

Ablesen lässt sich das auch auf den Homepages von Bordellen. Häufig fragen User in den Foren nach, wann denn endlich wieder eine "Tranny" oder ein "TS-Mädchen" – für gewöhnlich definieren sich diese als Frauen – im Haus sei. "TS-Girls sind meist für drei Wochen gebucht", erklärt ein Laufhaus-Betreiber auf seiner Homepage. Diese touren oft von Land zu Land, und die Termine, zu denen sie den Etablissements einen Besuch abstatten, werden oft schon monatelang vorher groß angekündigt. "Die Preise liegen deutlich über jenen der 'normalen' Girls", macht der Bordellinhaber klar.

Möglichkeit für Hetero-Männer, "schwule Gefühle zuzulassen"

Einen Grund für die große Nachfrage ortet die befragte Sexarbeiterin darin, dass manche Männer ständig etwas Neues ausprobieren möchten. Auch wurzle die Nachfrage danach wohl "in der allgemeinen sexuellen Liberalisierung, die auch die Nachfrage nach 'exotischen' Spielarten der Sexualität steigert", meint Chris Svatos vom Vorstand von TransX, einem Verein für TransGender-Personen. Die VereinsvertreterInnen sind somit ExpertInnen im Überschreiten von Geschlechtergrenzen, wobei Svatos allerdings betont, dass unter "Transgender" alle "Personen mit Identitätsproblemen" fielen, Transsexuelle, die vorwiegend im anderen Geschlecht leben, aber "nur bedingt" dazu gehörten. Auch seien jene, die sich an TransX wenden, nicht an Prostitution interessiert.

Die verstärkte Nachfrage dürfte außerdem ein Anzeichen für ein Verschwimmen klarer Geschlechtergrenzen bzw. für eine Lockerung im Umgang mit sexuellen Orientierungen sein. So sieht Svatos einen wesentlichen Grund für die Nachfrage auch darin, "dass sich immer mehr eigentlich heterosexuelle Männer trauen, auch ihre schwulen Gefühle zuzulassen – und solange der Sexpartner halbwegs wie eine Frau ausssieht, ist es leichter für sie, sich darauf einzulassen".

Mehrfach stigmatisiert

Auch wenn all das nach Starrummel klingt, darf eines nicht übersehen werden: "Transsexuelle Sexdienstleister gehören zu der Minderheit in der Minderheit, zu den Mehrfachstigmatisierten oder Übersehenen", schreibt Marc, Sexarbeiter und Moderator der Homepage "Sexworker – das Forum von und für Profis". TS-Prostituierte sind, wie andere auch, großteils MigrantInnen. Die meisten der in Österreich arbeitenden TS-Prostituierten kommen laut TransX aus Lateinamerika oder Südosteuropa und damit aus vorwiegend sehr armen Ländern, wo sie überdies oft noch massiver Verfolgung ausgesetzt sind.

So summieren sich oft mannigfache Diskriminierungsfaktoren: ProstitutierteR, MigrantIn, dazu noch nicht eindeutig einem Geschlecht zuzuordnen – damit stehen sie am Rand der Gesellschaft und sind besonders "Repressionen und Gewalt ausgesetzt", so Marc. In jüngerer Zeit haben internationale wie auch österreichische Transsexuellen-, Transgender- sowie Homosexualitäts-Organisationen mehrmals Alarm geschlagen: Anlass waren Gewalt-Exzesse und Morde, im Vorjahr etwa in Lissabon und immer wieder in Chile. Die Behörden, so die Vorwürfe, kümmerten sich oft mehr als halbherzig um Aufklärung oder betrachteten Gewalttaten gegen diese Gruppe als nicht sehr schwer wiegend. Auch in Deutschland berichteten Medien von Übergriffen der deutschen Polizei auf transsexuelle Prostituierte. (Gerlinde Pölsler)

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