Streit um Direktor von Radio Maryja entzweit polnische Katholiken

30. Juli 2007, 14:42
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Liberale fordern Abberufung Rydzyks - Nationalkatholiken sprechen von "Hass-Kampagne"

Warschau - Die polnischen Katholiken liefern sich eine Wortschlacht um den Direktor des umstrittenen Senders Radio Maryja, Tadeusz Rydzyk. Vertreter des liberalen Flügels rufen den Redemptoristen-Orden auf, den Geistlichen Rydzyk von seinem Amt abzuberufen. Der nationalkatholische Flügel ist dagegen. Vergangene Woche hatte das Nachrichtenmagazin "Wprost" Mitschnitte einer Rede Rydzyks vor Studenten veröffentlicht, in denen der Pater das Präsidenten-Ehepaar schwer beleidigte und sich dabei antisemitischer Rhetorik bediente.

"Das ist ein Versuch, Radio Maryja zu zerstören - die wichtigste Enklave der Meinungsfreiheit in Polen", heißt es in einem offenen Brief der Verteidiger Rydzyks an den Leiter des Redemptoristen-Ordens in Rom. Er war am Wochenende veröffentlicht worden. Die Diskussion sei nur eine "verbissene Hass-Kampagne" von "Liberalen, die der Kirche faktisch gleichgültig gegenüberstehen". Den Brief unterzeichneten Geistliche, die in Radio Maryja publizieren, sowie Politiker, darunter die EU-Abgeordnete Urszula Krupa der nationalkatholischen LPR.

Zuvor hatten liberale Katholiken in einem Appell an die Kirche ihren "moralischen Protest" gegen die Rede von Pater Rydzyk ausgedrückt - unter ihnen Ex-Ministerpräsident Tadeusz Mazowiecki und Ex-Außenminister Wladyslaw Bartoszewski. Die Kirche solle "alles tun, was in ihrer Macht steht, damit die öffentlichen Auftritte von Tadeusz Rydzyk in Zukunft nicht mehr die offizielle Lehre der Kirche in Frage stellt", heißt es in dem Appell.

Damit waren vor allem die antisemitischen Äußerungen angesprochen. Rydzyk hatte in seiner Rede dem Präsidenten vorgeworfen, er sei "der jüdischen Lobby ergeben". Außerdem warf er den Journalisten der Zeitung "Gazeta Wyborcza" eine "talmudische Mentalität" vor. Antisemitische Positionen wurden in Radio Maryja schon früher vertreten, aber bisher nicht von Direktor Rydzyk selbst. Die Staatsanwaltschaft in Torun analysiert derzeit die Tonbandaufnahmen der Rede, hat aber noch keine Ermittlungen eingeleitet. (APA)

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