Genetisches Risiko für Gallensteine

23. Juli 2007, 12:30
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Übergewicht und Fettleibigkeit sind die zentralen Faktoren - auch das Gen ABCG8 scheint aber eine Rolle zu spielen

Kiel/London - Viele haben sie, ohne es zu bemerken - bei manchen können sie aber auch zu schmerzhaften Koliken führen: Gallensteine. Übergewicht und Fettleibigkeit stellen die größten Risikofaktoren dar - eine gewisse genetische Veranlagung kann das Risiko jedoch ebenfalls erhöhen. Zwei deutsche Forscherteams stellten entsprechende Ergebnisse vor:

Erste Studie

Die Gruppe um Jochen Hampe von der Universität Kiel arbeitete mit Forschern aus Greifswald, Köln, Berlin, Bonn und Santiago de Chile zusammen und präsentierte ihre Daten im Journal "Nature Genetics". Sie verglichen zunächst die Erbanlagen von 280 deutschen Patienten mit denen von 360 gesunden Kontrollpersonen. Dabei ergaben sich an 235 Stellen des Erbgutes besonders deutliche Unterschiede zwischen diesen beiden Gruppen, erklären die Wissenschaftler. Diese Positionen analysierten die Forscher im zweiten Schritt bei insgesamt 1.105 Betroffenen und 873 Kontrollpersonen.

Dabei stellte sich heraus, dass eine Variante in der Sequenz des Gens ABCG8 mit der Krankheit in Zusammenhang steht. Träger der Mutation haben ein doppelt so hohes Risiko, Gallensteine zu bekommen, heißt es in "Nature Genetics".

Dort findet sich auch eine mögliche Erklärung: Die Gallenblase konzentriert Lebersekrete zum Gallensaft, der bei der Verdauung hilft. Wenn die Gallenflüssigkeit zu viel Cholesterin oder Bilirubin (ein Abbauprodukt roter Blutkörperchen) enthält, kristallisieren diese Substanzen in mehr oder weniger großen Körnern aus und verstopfen das Organ. Hampe und seine Kollegen vermuten nun, dass durch die Veränderung des Gens ABCG8 mehr Cholesterin in die Gallenflüssigkeit gelangt.

Zweite Studie

Die Forscher um Frank Lammert von der Universität Bonn hatten kurz zuvor im Journal "Hepatology" (Nr. 46) eine ähnliche Arbeit vorgestellt. Zusammen mit seinen Kollegen und Experten der Universitätsklinik Cluj-Napoca in Rumänien fahndete er ebenfalls nach den beteiligten Erbanlagen. An der Studie nahmen 178 Frauen und Männer aus 84 Familien teil. Alle hatten Gallensteine. In 21,4 Prozent der Fälle waren die Betroffenen Träger der ABCG8-Genvariante. In gesunden Vergleichspersonen kam diese zwar auch vor, allerdings nur mit einer Häufigkeit von 8,6 Prozent.

ABCG8 enthalte die Bauanleitung für eine Pumpe, die das Blutfett Cholesterin aus der Leber in die Gallenwege befördert, heißt es auch in Bonn. Daraufhin laufe die Pumpe permanent auf "Hochtouren", vermuten die Mediziner. Möglicherweise lasse sich Patienten künftig mit Medikamenten helfen, um Operationen zu verhindern, erklärte Lammert. Er rechnet noch mit mindestens drei oder vier weiteren Genvarianten, die das Gallenstein-Risiko erhöhen.(APA/dpa)

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