Erinnerung an Verhaftungswelle während der Nazi-Okkupation Frankreichs

23. Juli 2007, 12:01
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Zum 65. Jahrestag der "Rafle du Vel d'hiv" präsentiert das Jüdische Filmfestival Wien gemeinsam mit anderen Institutionen den Dokumentarfilm "La Mémoire des enfants"

Wien - Zwischen dem 16. und 17. Juli 1942 fand in Frankreich die größte Verhaftungswelle von in- und ausländischen Juden unter der deutschen Nazi-Okkupation statt. Bei dem als Razzia der Winter-Radsporthalle (Rafle du Vel d'hiv) in die Geschichte eingegangen Polizeieinsatz, wurden vor 65 Jahren insgesamt 13.152 französische und nach Frankreich geflüchtete Juden verhaftet und fünf Tage im Velodrom von Paris zusammengepfercht, bevor sie in deutsche Konzentrationslager deportiert und dort ermordet wurden.

Nach offiziellen Angaben beteiligten sich neben 4500 französische Polizisten des Vichy-Regimes auch viele Freiwillige an der Verhaftungsaktion. Sie fand auf Anweisung der deutschen Besatzungsmacht, aber ohne deren Beteiligung statt. Zum Transport der verhafteten Juden wurden 50 städtische Omnibusse samt Fahrern beschlagnahmt. Die französischen Behörden gingen damals noch über die Anweisungen der Besatzer hinaus und nahmen aus eigenem Antrieb nicht nur Erwachsene, sondern auch 4000 Kinder fest. Ledige sowie kinderlose Paare wurden nach ihrer Verhaftung direkt in das Durchgangslager Drancy gebracht und rasch deportiert. Familien wurden im Winter-Velodrom zusammengepfercht, wo sie unter unerträglichen Bedingungen ohne Sanitäranlagen und Verpflegung tagelang aushalten mussten.

Die Dokumentation "La Mémoire des enfants" behandelt das Schicksal jüdischer Kinder unter dem Vichy-Regime von Marschall Philippe Pétain. Die Regisseure gehen in dem Film der Frage nach, wie es menschlich, gesetzlich und administrativ möglich gewesen ist, dass zwischen 1942 und 1944 auf Initiative der französischen Behörden mehr als 11.400 jüdische Kinder aus Frankreich nach Auschwitz deportiert wurden. Nach der Präsentation des Filmes laden die Veranstalter zu einer Podiumsdiskussion, an der unter anderen die beiden Regisseure Hannes Gellner und Thomas Draschan sowie der Politologe Michel Cullin teilnehmen werden

Von den insgesamt 350.000 Juden, die sich 1939 in Frankreich aufgehalten haben, wurden 76.000 in Konzentrationslager deportiert. Nur 2.500 überlebten. In Frankreich wurde die französische Kollaboration mit Nazi-Deutschland bis in die 80er Jahre weitgehend verdrängt. Licht in die düstere Vergangenheit brachte vor allem Rechtsanwalt Serge Klarsfeld, der sich durch die Aufspürung von NS-Kriegsverbrechern einen Namen gemacht hat. Er enthüllte unter anderem, dass der französische Staat nach Kriegsende die konfiszierten Güter tausender Juden kurzerhand eingezogen und dem Staatshaushalt einverleibt hat. (APA)

17. Juli, Metrokino

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www.memoire-enfants.com
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    plakat: jüdische filmwoche 06
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