Portugal: Neues Abtreibungsgesetz in Kraft getreten

16. Juli 2007, 12:50
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Abbruch bis zur zehnten Woche straffrei - Einzelne GynäkologInnen und Spitäler wollen sich Regelung widersetzen

Lissabon - Das am 8. März 2007 im portugiesischem Parlament beschlossene gelockerte Abtreibungsrecht ist am Sonntag in Kraft getreten. Damit wird auch in Portugal der Schwangerschaftsabbruch bis zur zehnten Woche straffrei. Konservative und KatholikInnen hatten sich im Vorfeld gegen die Liberalisierung ausgesprochen. Das Gesetz wurde mit den Stimmen von Sozialen, Kommunisten und Grünen beschlossen.

Portugiesische Medien berichteten, dass einzelne GynäkologInnen und Krankenhäuser bereits Widerstand gegen die Regelung angekündigt haben. Sie wollen weiterhin aus "Gewissensgründen" keine Abtreibungen an Frauen durchführen.

Haftstrafen bis zu drei Jahren

Das bisherige Abtreibungsrecht in Portugal gehörte zu den strengsten Regelungen Europas: Ein Schwangerschaftsabbruch war bis zur zwölften Woche lediglich nach einer Vergewaltigung, bei Gefahr für das Leben der Mutter oder im Fall einer Missbildung des Fötus erlaubt. Bei illegaler Abtreibung drohten Frauen Haftstrafen von bis zu drei Jahren. Bei einer Volksabstimmung sprachen sich im Februar 59 Prozent der BürgerInnen in dem vorwiegend katholischen Staat für die Lockerung des Gesetzes aus.

Das Abtreibungsverbot hielt Frauen nicht von Schwangerschaftsabbrüchen ab, wie Schätzungen zeigen. Im Jahr 2005 sollen 18.000 Portugiesinnen illegal abgetrieben haben, nicht selten gab es gefährliche Komplikationen. Darüberhinaus reisten auch viele Frauen ins benachbarte Spanien, das ein liberaleres Abtreibungsgesetz hat. (APA/red)

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