Erdbeben in Japan: Tausende Menschen in Notunterkünften

24. Juli 2007, 23:48
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Erdrutsche und Nachbeben befürchtet - Neun Tote und an die 1000 Verletzte - Suche nach Überlebenden - mit Video

Tokio - Nach dem schweren Erdbeben in Japan haben fast 13.000 Menschen die Nacht auf Dienstag in Notunterkünften verbracht. Die Behörden fürchteten im Nordosten des Landes Erdrutsche und weitere Nachbeben, im Lauf des Tages wurden heftige Regenfälle erwartet.

Der dem Atomreaktor in Kashiwazaki, der nach dem Erdstoß der Stärke 6,8 in Brand geraten war, bleibt auf Anweisung der Regierung bis auf weiteres abgeschaltet. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Kyodo prüften die Behörden ein mögliches neues Radioaktivitäts-Leck.

Der Präsident des Atombetreibers Tokyo Electric Power Co. (TEPCO) wurde am Dienstag ins Ministerium für Wirtschaft, Handel und Industrie (METI) zitiert. Wie japanische Medien berichteten, erhielt das Unternehmen die Anweisung, die nach Produktionskapazität weltgrößte Atomkraftanlage Kashiwazaki-Kariwa in der Provinz Niigata nicht eher wieder in Betrieb zu nehmen, bis die Sicherheit gewährleistet ist.

Die Anlage müsse erst einer Sicherheitsüberprüfung unterzogen werden, sagte Wirtschaftsminister Akira Amari. Am Vortag waren vier der sieben Reaktoren nach dem Beben automatisch heruntergefahren worden. Jedoch fing ein Transformator außerhalb der Reaktorhallen Feuer, das erst zwei Stunden später gelöscht werden konnte. Es war der erste Brand in einem Atomkraftwerk in Folge eines Erdbebens.

Am Abend gab der Betreiber TEPCO bekannt, dass Wasser mit radioaktivem Material aus einem der drei Reaktoren ausgetreten sei. Ein Teil gelangte ins Meer. Die Konzentration an Radioaktivität habe aber unter der gesetzlichen Grenze gelegen, ab der ein Risiko für Gesundheit oder Umwelt bekannt gegeben wird.

Verletzt und vermisst

Das Erdbeben kostete mindestens neun Menschen das Leben, bis zu 1.000 weitere erlitten Verletzungen. Eine Person wurde am Dienstag noch vermisst.

In Kashiwazaki in der Präfektur Niigata seien die Schäden schlimmer als erwartet, sagte Bürgermeister Hiroshi Aida. Unter anderem sei die Wasserversorgung noch immer unterbrochen. Im gesamten Erdbebengebiet hatten nach Behördenangaben 53.000 Haushalte kein Trinkwasser. 35.000 hatten kein Gas, in mehr als 25.000 war die Stromversorgung noch nicht wieder hergestellt.

Suche nach Überlebenden

Rettungskräfte suchten am Dienstag bei teils strömendem Regen nach Überlebenden. Mehr als 1.000 Polizisten und Feuerwehrleute waren in der Region von Niigata 250 Kilometer nordwestlich von Tokio im Einsatz. In der Hafenstadt Kashiwazaki suchten sie in den Trümmern hunderter eingestürzter Gebäude nach Opfern. 450 Soldaten und sieben Marineschiffe wurden in die Region entsandt, um bei der Versorgung der Obdachlosen zu helfen. Die Region wurde von Dutzenden Nachbeben erschüttert.

Auf dem Meer vor der Japan benachbarten Insel Taiwan gab es nach Angaben des dortigen Wetterbüros am Dienstagfrüh ein Seebeben der Stärke 5,2 auf der Richterskala. Über Schäden war zunächst nichts bekannt. Die Behörden rechneten nicht mit einem Tsunami.(APA/AP/AFP/dpa)

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  •  Ein eingestürztes Haus in Kashiwazaki City

    Ein eingestürztes Haus in Kashiwazaki City

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    Fassungslosigkeit am Tag nach den schweren Beben, die Stärken von 6,6 und 6,8 auf der Richterskala erreichten.

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