Erste Entschädigungszahlungen bei Opferfamilien eingelangt

17. Juli 2007, 18:27
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Hoffnung auf Aufhebung der Todesurteile gegen bulgarische Krankenschwestern - Oberster Justizrat entscheidet über Urteile

Tripolis/Sofia - Erste Familien der an Aids erkrankten libyschen Kinder haben Entschädigungszahlungen erhalten, wie ein Sprecher der Angehörigen am Dienstag gegenüber Nachrichtenagenturen sagte. Damit wächst die Hoffnung, dass der Oberste Justizrat das Todesurteil gegen die bulgarischen Krankenschwestern und einen palästinensischen Arzt aufhebt. Die sechs seit 1999 Inhaftierten waren zum Tode verurteilt worden, weil sie in einem libyschen Krankenhaus mehr als 400 Kinder vorsätzlich mit dem Aids-Erreger infiziert haben sollen. Sie haben dies zurückgewiesen. Auch Gutachten widerlegten den Vorwurf.

Idris Lagha, Vorsitzender der Vereinigung der Familien HIV-Infizierter Kinder, sagte, mindestens 150 der rund 400 Familien hätten schon Zahlungen bekommen. "Einige Familien haben schon Geld bekommen, andere warten noch darauf", sagte Lagha. Die ganze finanzielle Transaktion werde voraussichtlich noch im Laufe des Dienstags erledigt sein. "Dann werden die Familien eine Erklärung herausgeben, dass die Einigung erledigt ist."

Letzte Instanz

Der Sohn des libyschen Revolutionsführers Muammar al Gaddafi, Saif al Islam, sagte einer französischen Zeitung, dass die Familien 400 Millionen Dollar (290 Mio. Euro) an Entschädigung erhalten sollten. Der Justizrat ist die letzte Instanz, die das Todesurteil noch abwenden könnte. Die Angeklagten haben stets ihre Unschuld beteuert und die HIV-Infektionen auf die unzureichenden hygienischen Verhältnisse in der Klinik in Benghazi zurückgeführt.

EU-Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner sagte am Dienstag in Brüssel, sie hoffe auf ein "positives Ergebnis", wenn möglich noch heute: "Wir müssen noch geduldig sein." Der französische Botschafter in Bulgarien äußerte sich unterdessen zuversichtlich. "Wir sind am Ende des Weges", sagte Etienne de Poncins am Dienstag im bulgarischen Staatsrundfunk. Er bekräftigte das Engagement seines Landes. In französischen Krankenhäusern werden nach seinen Angaben etwa 150 der mit dem HI-Virus infizierten libyschen Kinder behandelt.

Eine Million Dollar

Rund 50 der infizierten Kinder sind bereits gestorben. Der Sprecher der Opfer erklärte, die Zahl der Opfer sei von 438 auf knapp 460 gestiegen, da sich rund 20 Mütter bei ihren Kindern mit dem HI-Virus angesteckt hätten. Jedes Opfer habe ein Recht auf eine Million US-Dollar (rund 726.000 Euro). Die Gaddafi-Stiftung, die die Verhandlungen mit den Familien geführt hatte, bestätigte die Transaktionen. Die Stiftung gab an, das Geld stamme aus einem Sonderhilfsfonds für die im Krankenhaus von Benghazi infizierten Kinder, den Libyen und Bulgarien 2005 unter der Schirmherrschaft der Europäischen Union eingerichtet hatten. (APA/AP/dpa)

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