Albaner wollen Plan B

25. Juli 2007, 17:06
114 Postings

USA droht mit einseitiger Unabhängigkeit ohne Sicherheitsrat

In Prishtina werden die Stimmen für eine einseitige Unabhängigkeitserklärung ohne einer UN-Resolution immer lauter. Die Bemühungen um eine Zustimmung Russlands seien "Zeitverschwendung", erklärte etwa Veton Surroi, Mitglied des kosovo-albanischen Verhandlungsteams. Plan A sei gescheitert, man müsse nun zu Plan B übergehen. Und dies bedeute, eine Frist zu bestimmen, nach der der Kosovo mit der Unterstützung der USA und der EU die Unabhängigkeit ausrufen würde.

Der Kosovo bleibe der internationalen Gemeinschaft treu, sollte es aber weitere Verzögerungen der Unabhängigkeit geben, könnte auch ein "alternativer" Weg eingeschlagen werden, warnte Präsident Fatmir Sejdiu. Auch die USA drohen, notfalls ohne die Zustimmung Russlands eine Entscheidung zu erzwingen. "Wir sind entschlossen voranzukommen, entweder im Sicherheitsrat oder auf anderem Weg", sagte der US-Botschafter bei den Vereinten Nationen, Zalmay Khalilzad.

Vier Absagen

Moskau hat bisher vier Resolutionsentwürfe für den Kosovo abgewiesen, die allerdings unter dem Strich alle eine Souveränität der zu über neunzig Prozent von Albanern bewohnten südserbischen Provinz vorsahen. Der jüngste Entwurf, an dem die Europäer und die USA arbeiteten, sieht zwar weitere vier Monate direkter Gespräche zwischen Belgrad und Prishtina vor. Danach soll jedoch automatisch der Plan des UN-Sondergesandten, Martti Ahtisaari, angewendet werden, der eine bedingte Unabhängigkeit des Kosovo vorsieht. "Kosmetische Korrekturen" reichten nicht aus, sagte der russische Vizeaußenminister Wladimir Titow. Moskau wolle nur an tiefgreifenden Veränderungen einer Kosovo-Resolution mitarbeiten. Russische Diplomaten legten auch eine Ablösung Martti Ahtisaaris wegen seiner "offensichtlichen Parteilichkeit" nahe. Die Koordination einer eventuellen neuen Verhandlungsrunde sollte einem neuen "unparteiischen internationalen Vermittler" anvertraut werden.

Zugleich kritisierte der russische Außenminister Sergej Lawrow meinte zu Äußerung Ahtisaaris, wonach Moskau mit seiner Blockadehaltung seine internationale Stellung nicht stärke, sondern schwäche: "Ich habe diese Äußerung nicht gehört, aber wenn es sie gab, betrachte ich sie als deplatziert." (Andrej Ivanji aus Belgrad, DER STANDARD, Print, 16.7.2007)

Share if you care.