Die Blitzablöse eines Staatsanwalts

16. Juli 2007, 12:29
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Zehn Tage vor Beginn des Bawag-Strafverfahrens fiel das Licht der Öffentlichkeit auf Chefankläger Ronald Schön

Wien - Zehn Tage vor Beginn des Bawag-Strafverfahrens fiel das Licht der Öffentlichkeit auf den Chefankläger, den Leiter der Wirtschaftsgruppe der Staatsanwaltschaft, Ronald Schön. Der Exrichter und CVer hatte die Bawag-Anklageschrift mitunterschrieben und kennt sich, neben dem prozessführenden Staatsanwalt Georg Krakow, am besten in der Causa aus. Anfang Juli berief ihn die ihm vorgesetzte Oberstaatsanwaltschaft von seinem Posten ab und versetzte ihn. Diese Entscheidung sei "unumgänglich gewesen", erklärte Justizministerin Maria Berger im ORF-Radio, alles andere hätte den Bawag-Prozess "belasten können".

Vorgeworfen wird Schön, der in Justizkreisen als einer gilt, "der oft aneckt und schnell schießt", was ihm den Beinamen "Mr. Kalaschnikow" eingetragen hat, eine zu große Nähe zu Anwalt Herbert Eichenseder. Schön habe laut Oberstaatsanwaltschaft "eine Causa an sich gezogen, die ihn nichts angeht". Zudem hatte er ein Zimmer in Eichenseders Kanzlei gemietet. Das Problem: Eichenseder verteidigt Wolfgang Flöttl, eine Schlüsselfigur im Bawag-Prozess.

Gang in die Pension

Schön selbst (er ist 63 und geht nun in Pension) will zur Sache "nichts mehr sagen", Eichenseder sieht die Dinge in einem anderen Licht: Er habe ein Kindermädchen der Anwaltsfamilie Zanger vertreten, dieses sei "möglicherweise erpresst worden, und diese etwaige Erpressung habe ich bei Schön angezeigt. Er hat in den Vorfällen aber nur Nötigung gesehen und den Akt erledigt. Aber Nötigung gehört vor die allgemeine und nicht vor die Wirtschaftsabteilung der Staatsanwaltschaft." Und die Sache mit der Untermiete erklärt er damit, dass Schön dort "von der Dienstbehörde erlaubte Nachhilfestunden" für Anwaltsanwärter geben wollte, was er aber "aus gesundheitlichen Gründen nicht tut". Genauso habe er das der Oberstaatsanwaltschaft erklärt.

Schiefe Optik für das Verfahren und ein zu intensives Naheverhältnis zu Ex-Bawag-Ankläger Schön mag der Flöttl-Verteidiger darin nicht sehen: "Schön und Krakow haben in zwei Instanzen Untersuchungshaft für Flöttl beantragt. Schön wollte meinen Klienten einsperren, was nicht geschah, weil Flöttl immer zu allen Vernehmungen gekommen ist". Eine politische Dimension der Versetzung des schwarzen Anklägers unter der Ägide einer roten Justizministerin wird im Ministerium vehement zurückgewiesen. (gra, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 16.7.2007)

  • Ronald Schön oder "Mr. Kalaschnikow" musste weichen.
    foto: rita newman / profil

    Ronald Schön oder "Mr. Kalaschnikow" musste weichen.

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