Jungherren-Komitee am Maturaball

22. Juli 2007, 17:48
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Das U20-Team kämpft gegen Tschechien um das WM-Finale - Das Kräfte raubende 2:1 ge­gen USA war eine über­zeugende Reifeprüfung

Toronto/Wien - Thomas Rongen, der niederländische Trainer der unter 20-jährigen US-Amerikaner, hatte die Sache fast perfekt auf den Punkt gebracht: "Aber Österreich hat verdient gewonnen."

In dieser Analyse stört eigentlich - aber das sei dem unterlegenen Coach nachgesehen - nur das Aber. Denn es war keineswegs so, dass "am Ende die Stärke bei Standardsituationen" die Entscheidung gebracht, oder die Österreicher halt die knapp höhere Verwertungseffizienz bei ungefähr gleich hoher Chancenzahl für sich verbuchen konnten. Es war - und darüber darf der Österreicher ruhig staunen - eine rundum gelungene Leistung, deren erfolgreichen Abschluss, den Einzug ins Halbfinale, nur Pech hätte verhindern können.

Denn Österreichs U20-Team präsentierte sich als ausgefuchste, taktisch hervorragende und physisch geradezu beeindruckende Mannschaft. Und das, obwohl die Partie in der 15. Minute ein böses Ende ankündigte. Die beiden US-Stars sorgten für den Führungstreffer, Adu flankte von links, Altidore köpfte etwas unbedrängt zum 1:0, und die jungen Österreicher schienen, wie die Alten, schon den Hut draufhauen zu wollen.

Aber nur kurz. Dann zeigten sie wieder die Qualitäten der vorangegangenen Partien, versuchten, den Aufbau zu kontrollieren, das Mittelfeld hatte durch die Laufbereitschaft und die präzise taktische Schulung sozusagen stets einen Mann mehr, nämlich den leeren Raum, und die Offensiven blieben dadurch auch hoch gefährlich.

In der 38. Minute ließ US-Goalie Seitz einen Kavlak-Weitschuss zurück klatschen, der eben eingewechselte Harnik traf Seitz mit dem Nachschuss im Gesicht.

Mag sein, das erleichterte die Aktion fünf Minuten später: Wieder hatte Seitz seine Schwierigkeiten, diesmal konnte er einen Aufsetzer von Prödl aus etwa 30 Metern nicht unter Kontrolle bringen, Okotie setzte nach, erkämpfte sich den Ball, ließ einen Verteidiger aussteigen und traf ins kurze Eck zum Ausgleich.

Den daraus geretteten Schwung erhielt sich die Mannschaft auch in der Kabine. Und weil das bei den Amerikanern offenbar genau umgekehrt war, übernahmen die Österreicher auch sofort das Kommando, dominierten klar, ließen den Ball und damit den Gegner laufen, was Coach Gludovatz wohl nicht ungern sah, immerhin verdichtete sich Minute für Minute der Verlängerungsverdacht, und den Gegnern fing jetzt allmählich an, die Luft auszugehen. Sie mussten nämlich tun, was üblicherweise Österreicher tun: Sie liefen dem Ball nach.

Tatsächlich ging's in die Verlängerung, tatsächlich ging den Amerikanern die Luft aus, tatsächlich konnten sie sich nur noch durch gelungene Einzelaktionen gefährlich vors Tor bringen, denn die Österreicher spielten weiterhin ihr Pressing, attackierten den gegnerischen Spielaufbau schon vor der Mittellinie. Mag sein, sie ahnten, dass für gefährliche Kontersprints die Kraft nicht mehr reichen würde. Die Gelb-Rote für Wallace nach Foul an Harnik in der 104. Minute war wohl eine Folge davon. Und nach dem daraus folgenden Freistoß, mit seiner ersten Ballberührung, erzielte der eben eingewechselte Hoffer in der 105. Minute die Führung.

Nicht, dass die US-Amerikaner nicht weiterhin sehr gefährlich blieben. Aber der Druck ging bis zum Schluss von den Österreichern aus, die nun am Mittwoch auf den tschechischen Nachwuchs treffen, der gegen Spanien ins Elferschießen musste.

Und jetzt sagen alle vor allem eins: "Wahnsinn." Österreich freut sich, rechtzeitig zur heute startenden U19-EM in Oberösterreich. Der ORF, der sich am Samstag über 717.000 Zuschauern freute, überträgt das U20-Halbfinale am Donnerstag, 1.45 Uhr. Und dann am Sonntag entweder ab 18:15 (Spiel um Platz 3) oder - ja, daran darf tatsächlich gedacht werden - ab 20:15. (DER STANDARD, Printausgabe, Montag, 16. Juli 2007, APA, wei)

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    Coach Paul Gludovatz herzt entzückt seinen Goalie Michael Zaglmair.

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    Rapids Erwin "Jimmy" Hoffer ist der sprintende Beweis dafür, dass Paul Gludovatz ein so genanntes "goldenes Händchen" hat. Kaum eingewechselt, traf jener mit seinem dritten Turniertor zum Sieg.

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