Die Eurofighter und der Hirnverkehr

17. Juli 2007, 10:49
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Zeltweg ist nach seinem 60 Millionen Euro teuren Umbau ein potentieller Standort für die NATO geworden

Hoch über den ober-steirischen Bergen schwebte der erste Eurofighter herein. Das über die Breitseite des Standard gezogene Bild löste in mir eine spontane Assoziation aus. Alliierte Flugzeuge, die 1945 über der Tanzstatt zwischen Oberzeiring und Oberwölz auftauchten und wenige Minuten später Knittelfeld bombardierten. Das sind meine ersten Kindheitserinnerungen. Sie werden mir entgegnen, dass man von den Saab-Draken tausende ähnliche Fotos hätte publizieren können - und auch publiziert hat. Haben Sie sich damals nie erinnert? Oh doch. Aber es gibt einen wichtigen Unterschied. Den zwischen Neutralität und Nato. Die schwedischen Draken sind Instrumente der Verteidigung. So wie ihre Nachfolger, die Jets vom Typ Gripen. Der Eurofighter kann das natürlich genauso. Und schneller. Er braucht von Zeltweg nach Bregenz nur 20 Minuten. Gleichzeitig ist er jedoch ein voll Nato-tauglicher Kampfjet, für den sich die ÖVP deshalb entschieden hatte, weil ihre Führung das Land in der Nato sehen wollte. Die Rückkehr zum Neutralitätsbekenntnis ist ein Täuschungsmanöver.

Der Flughafen Zeltweg ist damit nach seinem 60 Millionen Euro teuren Umbau ein potentieller Standort des westlichen Militärbündnisses geworden. Das ist die eigentliche Niederlage der SPÖ und eine langfristige Weichenstellung zur Aufgabe der Neutralität. Im Kriegsfall ist der Murboden wie schon 1945 ein Kampfgebiet.

Immerhin steht dort eines der schnellsten Geräte die es überhaupt gibt. Schnell wollte man in Zeltweg immer schon sein. Insofern ist der Eurofighter stimmig. Etwas anders kam weder der Landes- noch der Bundesregierung je in den Sinn. Und selbst die Gegner des Autorennsports haben indirekt an dieser Landung mitgewirkt, indem sie auch die Ausbaupläne des Steirers Mateschitz torpediert haben. Ein Militärstützpunkt wäre Zeltweg so oder so geblieben. Aber mit den Autotestplänen hätte sich mehr Entwicklungsfantasie ergeben.

Mateschitz hat jetzt einen Flugplatz in der Nähe von St. Pölten gekauft und damit offenbar entschieden: Er investiert sicher nicht in seiner Heimat, sondern entlang der Ost-West-Schiene - und letztlich auch außerhalb einer unmittelbaren Gefahrenzone. Der Versuch, in der Obersteiermark zusammen mit Audi und KTM neben Graz ein zweites Mobil-Kraftfeld zu schaffen, ist endgültig gescheitert.

Die Bevölkerung wird man mit Flugshows unterhalten. Und für kulturelle Projekte wird man jährlich nicht einmal jene 28.000 Euro ausgeben wollen, die der Eurofighter stündlich kostet. 50 Millionen Euro betragen künftig die jährlichen Betriebskosten.

Wenn man wirklich wollte, könnte man dort etwas für den Hirnverkehr tun, und ein Forschungsinstitut hinsetzen. 50 Millionen Anfangskapital würden reichen. Die Betriebskosten wären vergleichsweise niedrig, weil in der Wissenschaft die "Gegengeschäfte" immer besser laufen. Aber da fehlt es halt auch in der ÖVP am nötigen Hirnschmalz. Als diese Idee vor Jahren einmal in einer Podiumsdiskussion aufkam, da meinte ein Politiker, dass die Gegend halt verkehrstechnisch ungünstig liege. Ein besonders schwaches Argument, weil man die Verbindung zu den Kärntner Seen endlich ausbaut und weil es nach Graz nicht mehr weit ist.

Menschen, denen das Wehen des Geistes immer schon wichtiger war als der Verkehr, sitzen gleich daneben. Die Benediktiner von Seckau haben die Zeiten mit ihrem Modell gestaltet und überdauert. (Gerfried Sperl, DER STANDARD, Print, 16.7.2007)

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