Kommission: Briten sollen nach Ausbildungsarbeit Irak verlassen

18. Juli 2007, 09:14
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Erfahrungsberichte von US-Soldaten veröffentlicht

London/Washington - Eine Expertenkommission hat die britische Regierung aufgefordert, ihre Soldaten aus dem Irak abzuziehen, sobald die einheimischen Truppen ausgebildet sind. "Unsere Rückzugsquote sollte nicht von der Sicherheitslage bestimmt werden, sondern von dem Trainingsstand der irakischen Kräfte", sagte der Ko-Vorsitzende der Kommission, Paddy Ashdown, am Sonntag dem britischen Fernsehsender BBC. Es seien "keine guten Auswahlmöglichkeiten übrig" im Irak. Der Vorschlag der Kommission sei aber "am wenigsten schlimm" und berge weniger Risiken als andere Optionen.

Die Expertenkommission unter dem früheren Hohen Repräsentanten für Bosnien-Herzegowina, Ashdown, hatte ihren Bericht am Samstagabend veröffentlicht. Premierminister Gordon Brown hatte zwar "Fehler" im Irak eingeräumt, sich aber gegen einen sofortigen Abzug der 5500 britischen Soldaten ausgesprochen. Ihre Rückkehr sei von der Sicherheitslage im Irak abhängig. Der Expertenbericht im Auftrag eines Think-Tanks für Außenpolitik und dem Fernsehsender Channel 4 fordert Großbritannien auch zu einer stärkeren Zusammenarbeit mit den Vereinten Nationen und den Nachbarstaaten des Irak auf.

Erfahrungsberichte

Das US-Magazin "The Nation" hat in seiner neuen Ausgabe Erfahrungsberichte von 50 US-Soldaten im Irak veröffentlicht. "Es ist das erste Mal, dass so viele Augenzeugen der US-Armee namentlich die brutale Seite dieses Krieges zeigen, über die sonst nur selten auf Fernsehbildschirmen oder in Zeitungen berichtet wird", schreibt das Blatt in seiner Ausgabe vom 30. Juli. Das Magazin hatte sieben Monate lang sowohl private als auch offizielle Berichte gesammelt.

"Gerade diese Gemetzel, all diese getöteten Zivilisten und Leichen, die ich gesehen habe, haben mich fragen lassen: Warum? Wofür?", schreibt der Militärspezialist Jeff Englehart. "Ich glaube, während ich dort war, war die allgemeine Haltung: Ein toter Iraker ist nur ein weiterer toter Iraker". Der 26-Jährige hatte von Februar 2004 an ein Jahr lang in Bakuba nordöstlich von Bagdad gedient. Auch andere US-Soldaten beschrieben, dass Kameraden Iraker wahllos töteten, ohne dass darüber berichtet wurde oder dass es Konsequenzen gab.

Zwei US-Soldaten starben bei Anschlägen

Am Samstag starben zwei US-Soldaten im Irak bei Anschlägen. Ein Soldat wurde während eines Patrouillengangs getötet, ein zweiter starb durch eine Explosion im Osten von Bagdad, bei der ein weiterer Soldaten verletzt wurde. Mutmaßliche Extremisten haben in den nordirakischen Kurdengebieten am Sonntag nach offiziellen Angaben sieben Grenzsoldaten getötet. Die Patrouille sei nahe der Grenze zum Iran in den Bergen in einen Hinterhalt geraten, hieß es. Die Polizei teilte mit, die Sicherheitskräfte hätten die Gegend abgeriegelt und seien auf der Suche nach den Angreifern. (APA/AFP/Reuters)

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