40 Tote bei Angriffen am Sonntag

19. Juli 2007, 15:36
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Taliban in der Grenzregion zu Afghanistan kündigen Friedensabkommen auf -"Beenden die Vereinbarung heute" - 64 Tote am Wochenende

Miranshah - Bei einer Reihe von Extremisten-Angriffen sind im Nordwesten Pakistans allein am Sonntag 40 Menschen getötet worden. Die Sicherheitsbehörden vermuteten einen Zusammenhang zwischen den jüngsten Unruhen und der Erstürmung der Roten Moschee in der Hauptstadt Islamabad, bei der vor wenigen Tagen nach offiziellen Angaben 75 Islamisten getötet wurden. Beobachter hatten von Anfang an befürchtet, dass es verstärkt zu Vergeltungsaktionen der Extremisten kommen könnte. Schon am Samstag ließen bei einem Selbstmordanschlag an der Grenze zu Afghanistan 24 Soldaten ihr Leben.

Der schwerste Anschlag ereignete sich am Sonntag in einem Rekrutierungszentrum für Polizisten in der Stadt Dera Ismail Khan in der Nordwestlichen Grenzprovinz. Dort sprengte sich ein Selbstmordattentäter in die Luft und riss 26 Menschen mit in den Tod. Dutzende wurden verletzt. Die meisten der überwiegend jungen Todesopfer wollten zum Zeitpunkt der Detonation gerade eine Prüfung ablegen, um zum Polizeidienst zugelassen zu werden.

14 Tote bei Überfall

Wenige Stunden zuvor waren bei einem Überfall in der selben Provinz 14 Menschen getötet worden: Im Swat-Tal geriet ein Fahrzeugkonvoi von Sicherheitskräften in einen Hinterhalt. Extremisten zündeten dann einem Militärsprecher zufolge am Straßenrand eine Bombe, während zwei Selbstmordattentäter die Fahrzeuge der Sicherheitskräfte rammten und sich in die Luft sprengten. Im Anschluss hätten sich Extremisten und Militärs ein Gefechte geliefert. Insgesamt seien elf Soldaten unter den Toten, etwa 30 weitere wurden verletzt.

Taliban kündigen Friedensabkommen auf

Am Sonntag kündigten Kämpfer in der pakistanischen Grenzregion zu Afghanistan ein umstrittenes Friedensabkommen mit der Regierung in Islamabad auf. "Wir beenden die Vereinbarung heute", erklärte der Rat der örtlichen Taliban in einer in Miranshah verteilten Erklärung. Miranshah ist die Hauptstadt des Stammesgebietes Nord-Waziristan, in dem bei einem Anschlag auf einen Militärkonvoi am Samstag 24 Menschen starben.

"Guerilla-Krieg"

Am Samstag hatte zudem ein Taliban-naher Kämpfer aus der Grenzregion mit "Guerilla-Krieg" gedroht. "Wenn die Regierungstruppen nicht bis zum 15. Juli die Kontrollpunkte räumen, werden wir das geltende Friedensabkommen mit der Regierung beenden und einen Guerilla-Krieg beginnen", sagte der Befehlshaber Abdullah Farhad der Nachrichtenagentur AFP. Die Regierung hatte das Abkommen im vergangenen September mit Stämmen in der Grenzregion geschlossen.

24 Soldaten getötet

Am Samstag waren bei einem Selbstmordanschlag auf einen pakistanischen Militärkonvoi in der nordwestlichen Grenzregion Wasiristan 24 Soldaten getötet und 29 verletzt worden. Auch dort hatten die Täter einen mit Sprengstoff beladenen Wagen in eine Fahrzeugkolonne des Militärs gefahren. Zwei Fahrzeuge des Konvois wurden durch die Explosion total zerstört.

Mit den Truppentransporten sollten die Sicherheitskräfte in den Stammesgebieten an der Grenze zu Afghanistan verstärkt werden. Diese gelten als Rückzugsgebiet militanter pakistanischer Islamisten und auch der afghanischen Taliban. In den vergangenen Tagen hatte es in der schwer zugänglichen Region wiederholt Angriffe und Anschläge gegeben.

Der Nordwesten Pakistans gilt als Hochburg von Gruppen, die der radikal-islamischen Taliban und der Al-Kaida nahe stehen. In der Unruheprovinz Nord-Waziristan - wo sich der Anschlag auf die Soldaten am Samstag ereignet hatte - kündigten Extremisten inzwischen einen seit zehn Monaten andauernden Friedenspakt auf. Grund dafür seien vermehrte Angriffe der Sicherheitskräfte und die Entsendung von Regierungstruppen in die Region, teilten die Aufständischen mit.

15 Frauen und Kinder starben bei Erstürmung

Entgegen der bisherigen Darstellung sind bei der Erstürmung der Roten Moschee mindestens 15 Frauen und Kinder getötet worden. Bis zu 60 der bei der Militäraktion Getöteten seien militante Islamisten gewesen, der Rest Frauen und Kinder, berichtete die Zeitung "Dawn" am Samstag unter Berufung auf Innenstaatssekretär Kamal Shah. Die Gesamtzahl der Toten beträgt nach Regierungsangaben 102. Darunter seien elf Soldaten. Augenzeugen hatten nach der Aktion von mehreren hundert Toten berichtet. Kritiker hatten der Regierung vorgeworfen, sie verschleiere die wahre Zahl der Opfer, um keine Empörung in der Öffentlichkeit auszulösen. (APA)

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    Am Sonntag wurde im Nordwesten Pakistans ein Selbstmordanschlag verübt - nach Darstellung der pakistanischen Polizei und der Armee waren zwei mit Sprengstoff beladene Wagen an einer Bushaltestelle in eine Militärkolonne gefahren. Gleichzeitig hätten die Attentäter eine Landmine gezündet.

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