Alfred Riedl und der Verkehr

22. Juli 2007, 18:03
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Vietnam-Trainer musste sich vor dem Schlager gegen Japan mit über­eifrigen Journalisten beschäftigen - Kontra­hent Osim: "Versuchen zu gewinnen, können aber auch verlieren"

Wien - Alfred Riedl sah sich zu einer Rüge veranlasst. Der Trainer von Vietnams Fußballnationalmannschaft hatte sein Team vor dem Schlager gegen Japan am Montag zu einem geschlossenen Training versammelt. Doch einige findige Journalisten hatten es doch ins Stadion geschafft.

"Einige haben es geschafft, durchzuschlüpfen", sagte der Österreicher. "Das ist typisch. Man kennt das ja von den Verhältnissen auf den hiesigen Straßen. So ist das. Die sind wie der Verkehr", sprach auch ein gewisse Anerkennung aus den Worten des 47-Jährigen. "Ich hätte sie ja reingelassen, aber wenn man das einem erlaubt, bekommt man eine Stampede."

Vor dem Schlager gegen die Japaner in Gruppe B war Riedl bemüht, zu große Hoffnungen im Land des Gastgebers zu dämpfen. "Ich habe beim Asien-Cup noch nie eine so gute Mannschaft gesehen, wie Japan. Ich verschwende keinen Gedanken an ein Wunder."

Vietnam, das zum ersten Mal seit 47 Jahren am Turnier teilnimmt, hat mit vier Punkten aus zwei Spielen schon jetzt die Erwartungen übertroffen. Nur aufgrund der schlechteren Tordifferenz steht man hinter Japan auf Platz zwei der Gruppe. Er sei zwar ein Anhänger des offensiven Fußballs, "aber gegen Japan werden wir 70 Prozent der Zeit verteidigen müssen." Riedl setzt darauf, den ein oder anderen Konter anzubringen. "Wir müssen immer vorsichtig bleiben. Ehrlich gesagt: die Japaner sind zu gut für uns."

Bei einer Niederlage entscheidet das Resultat im Parallelspiel zweischen den Vereinigten Arabischen Emiraten und Quatar über das Weiterkommen der Vietnamesen. Bei einem Unentschieden oder einem Sieg der VAE wäre dieser geritzt. "Auch wenn wir das Viertelfinale nicht schaffen sollten, haben wir für den vietnamesichen Fußball viel erreicht", sagt Riedl. Am Montag gehe es in erster Linie um die Ehre: "Wir wollen nicht abgeschossen werden."

Japans-Coach Ivica Osim pflegte unterdessen weiter seine etwas üble Laune, die ihn besonders in Pressekonferenzen zu befallen scheint. "Mir ist es völlig egal, was im anderen Spiel passiert", fuhr Osim einen Fragesteller an und legte nach: "Es wird heiß sein und Vietnam ist das Heimteam. Wir werden versuchen, zu gewinnen, könnten aber auch verlieren. Es handelt sich nicht um Raketen-Wissenschaft." Auf die Erkundigung, ob denn alle japanischen Spieler fit wären, folgte die Gegenfrage: "Befindet sich ein Arzt im Raum? Das ist nicht mein Job!"

Am Dienstag hatte der Bosnier im Anschluss an das enttäuschende 1:1-Auftaktremis gegen Katar den japanischen Übersetzer mit seiner harschen Mannschafts-Kritik gar zum Weinen gebracht. (rob/Reuters/APA)

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    Alfred Riedl sorgt prophylaktisch für gute Laune bei seinem Keeper Duong Hong Son.

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