Versöhnungskonferenz nach Boykott vertagt

19. Juli 2007, 23:48
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Anschlagsdrohungen von Islamisten - Konferenz ist Voraussetzung für EU-Finanzhilfe

Mogadischu - In Somalia ist die seit Monaten vorbereitete "Nationale Versöhnungskonferenz" wegen fehlender Teilnehmer unmittelbar nach ihrer Eröffnung am Sonntag vertagt worden. Die Tagung soll nun am kommenden Donnerstag beginnen. Man habe sich darauf geeinigt, weil viele der Abgesandten erst Anfang kommender Woche in Mogadischu eintreffen würden, teilten die Organisatoren mit. Nach Polizeiangaben feuerten Unbekannte drei Granaten auf den Tagungsort, ein Polizeiareal, ab. Die Geschosse hätten jedoch ihr Ziel verfehlt.

Die Konferenz war wegen Sicherheitsbedenken mehrfach verschoben worden. Auch zuletzt hatte es wieder Anschlags- und Morddrohungen von Islamisten gegeben, von denen das Treffen boykottiert wird.

Rund 1.300 Clan-Vertreter und religiöse Würdenträger waren heute an der voraussichtlich mehrere Wochen dauernden Treffen erwartet worden, mit dem die von den USA unterstützte Übergangsregierung die seit 16 Jahren andauernden Bürgerkriegszustände in dem ostafrikanischen Land beenden will. Die Abhaltung der Konferenz ist zudem Voraussetzung für eine Finanzhilfe der Europäischen Union in Höhe von 15 Millionen Euro.

Rückhalt

Fehlschlag der Konferenz befürchtet

Politische Beobachter gingen wegen des Islamisten-Boykotts von einem Fehlschlag der Konferenz aus. Der militante Flügel der Islamisten, die im vergangenen Jahr weite Teile Südsomalias und Mogadischu sechs Monate unter ihrer Kontrolle hatten, bezeichnete die Konferenz als "Verschwörung gegen das somalische Volk". Auf ihrer Website drohten die "Shahab", Teilnehmer seien "zum Tod verurteilt". Die Abhaltung der Konferenz ist Voraussetzung für eine Finanzhilfe der Europäischen Union in Höhe von 15 Millionen Euro.

Rückhalt

Die US-Regierung hatte die Einbeziehung "gemäßigter" Teile der Islamisten, die in der Bevölkerung starken Rückhalt haben, in die somalische Regierung befürwortet. Die Milizen des so genannten Rates der Islamischen Gerichte hatten Mogadischu beim Herannahen der äthiopischen Panzer im Dezember aufgegeben. In der Hauptstadt war es zu heftigen antiäthiopischen Demonstrationen und zu zahlreichen Anschlägen gekommen. Bis zu 150.000 Menschen sollen aus der Stadt geflohen sein.

Die Islamisten hatten Mogadischu und große Teile Somalias ein halbes Jahr lang beherrscht, nachdem es ihnen gelungen war, die von den USA unterstützte Warlord-"Allianz für die Wiederherstellung des Friedens und gegen Terrorismus" (ARPCT) zu schlagen, deren Führer jetzt in der Übergangsregierung sitzen. Die Warlords hatten nach dem Sturz des Diktators General Mohammed Siad Barre 1991 Chaos und Anarchie verbreitet. (APA/AP)

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