Das Viertaktpferd

19. Juli 2007, 17:00
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Der Roller X-Max 250 von Yamaha ist superpraktisch – auch, um unnötiges Wissen breitzutreten

Das mit den PS ist ja eine Krux. Krux leitet sich vermutlich von den Krücken ab, die gerade jene Leute mitschleppen, die eh schon so ein Kreuz damit haben, dass sie nicht gescheit gehen können. Und ein solcher Gehfehler ist das auch mit den Pferdestärken. Ein Durchschnittsgaul leistet nämlich durchschnittlich zwei Drittel PS, wenn er was leistet.

Taugt es dem Ross aber gerade, etwa weil es superschnell einen Bierwagen über die Höhenstraße zahn muss, dann kann selbiger Gaul eine Spitzenleistung von rund 20 PS erreichen. Na ja, hängt vermutlich auch davon ab, wie viel Jolly Jumper grad raucht und säuft.

Damit sich der Kreis zum Yamaha 250 X-Max endlich schließt: Der Roller von Yamaha spitzenleistet ebenfalls 20 PS. Rechnen wir das um, kommen wir auf 14,8 kW bei 7.500 Umdrehungen. Der Motor mit einem Hubraum von 149,7 ccm bringt es auf ein Drehmoment von 20,8 Nm bei 6.250 Umdrehungen.

Bei den Pferden ist das natürlich anders. Weil, als die ersten Pferde gebaut wurden, war die Kurbelwelle noch nicht erfunden und ein Update gab es nicht. Deswegen hat ein durchschnittlicher Ackergaul auch kein Drehmoment. Weder am Getriebe noch am Hinterrad. Höchstens einmal auf Glatteis.

Doch zurück zum X-Max, der ja mit einem Pferd außer der Leistung ungefähr so viel gemeinsam hat wie ein Glasl Wasser mit gutem altem Sprit. Schon die Heckpartie ist vollkommen unterschiedlich. Und Topcase im Zubehörkatalog für Pferde hab ich auch keines gefunden. (Gux, die das Kreuz hat diese Texte Korrektur lesen zu müssen will hier aber Satteltaschen erwähnt wissen.)

Allein der Gewichtsunterschied. Pferd, warmblütig: trocken rund 600 kg. Der X-Max: trocken nur 164 kg. Vom Stauraum unterm Sattel red ich da gar nicht. In den X-Max gehen nämlich zwei Helme rein. Ins Pferd nur eine Menge Grünzeug. Auf der Trabrennbahn durfte ich den Yamaha-Roller auch nicht fahren. Macht aber nix, weil er ohnedies auf der Straße viel mehr Spaß macht.

Erst trieb ich den X-Max auf einen Parkplatz. Dieser war mir gerade deswegen so sympathisch, weil dort Helmpflicht bestand. Vielleicht lag das aber auch nur an der Baustelle im Hintergrund. Wurscht.

Ich wollte erst einmal wissen, was zuerst schleift: der Hauptständer oder der Helm. Es war dann nix von beidem. Weil als erstes setzen die Überlauf-Gummiröhrln auf. Die machen dabei auch ein lustiges Geräusch. Vor allem, wenn man nicht gleich drauf kommt, was da so surrt. Bei vielen Rollern sind diese Röhrlenden angeschrägt. Beim X-Max ist das nicht serienmäßig. Aber jetzt passt es. Ich hab sie angespitzt.

Und weil ich grad dabei war, hab ich auch noch den Hauptständer angeschliffen. Old School wie auch im Supermoto-Style, soweit der auf einem Roller möglich ist. Das Lustigste am Anschleifen ist ja immer das Gesicht vom Sulzi. Der zieht dabei hinter der Kamera immer solche Grimassen, dass es mich jedes Mal fast aufhaut. Aber nicht, weil ich das Hinterradl ins Leere hebe, sondern weil ich durchs Lachen so viele Vibrationen ins Fahrwerk kriege, dass es sogar die Yamaha ein wenig aus der Ruhe bringt.

>>>Kleines Dankeschön

Ich kam jedenfalls zum Schluss, dass man den X-Max 250 schon ganz schön umlegen muss, bis es gefährlich wird. Im Alltagsbetrieb wird so eine Schräglage wohl nur von Wahnsinnigen oder kurz vorm Einschlag erreicht werden.

Einen Sturz zu verhindern versucht aber das feine Fahrwerk der Yamaha. Die Abstimmung ist zwar auf der komfortablen Seite, aber selbst im Infight hat man nie das Verlangen, irgendetwas härter drehen zu müssen. Und zum einen oder anderen Duell auf den Straßen kann es wohl kommen.

Der spritzige Motor und die feinen Bremsen würden sich schon der Bewährungsprobe stellen. Auch ganz gemütliches Innerstadtcruisen macht Spaß. Man gondelt lässig von einem Eissalon zum nächsten und ist sich jederzeit der Reserven bewusst, die der X-Max bietet. Ist auch sehr chillig.

Was man tunlichst unterlassen sollte, ist den Sulzi hinten am Roller Platz nehmen zu lassen. "Machen wir ein paar Fahrfotos." heißt nämlich nicht, dass man mit supergenialen Fotos versorgt wird, sondern dass man am Sozius einen Kasperl sitzen hat, der mit Vehemenz versucht, das Gefährt aus dem Gleichgewicht und den glu zum Fluchen zu bringen. Ich bin aber ein gefestigter Mensch und schimpfe nicht.

Einzige zaghafte Wortmeldung: "Wenn es uns auftuttelt, flieg ich auf meine Protektoren, du beißt im Idealfall in die Kamera, wenn du es schaffst, sie nicht über den Boden zu radieren." Der Sulzi ist aber auch ziemlich gefestigt. "Na, dann fahr halt gescheit, dann schlagen wir eh nicht ein."

Nach dem Fotoshooting hab ich versucht, ihm als kleines Dankeschön einen Tritt zu verpassen. Aber nicht den eines Zwei-Drittel-Leistungspferdes, sondern einen ordentlichen X-Max-20-PS-Huftritt. (Text: Guido Gluschitsch, Fotos: Martin Sulzbacher, derStandard.at, 19.7.2007)

Guido Gluschitsch ist Redakteur beim Motorradmagazin

Yamaha X-Max 250

Preis: EUR 4.695,-

Motor: Flüssigkeitsgekühlter Einzylinder-Viertaktmotor. Katalysator. Hubraum 249,78 cm³, Leistung 15 kW (20,5 PS) bei 7250/min, 20,7 Nm bei 6500/min. E-Starter. Fliehkraftkupplung, Automatik mit Keilriemen. Fahrwerk: Hydraulische Gabel vorne, Schwinge hinten. Bremsen: Eine Scheibe vorne, eine hinten. Trockengewicht: 164 kg, Sitzhöhe: 775 mm. Tank 12,5 l, Vmax: 125 km/h.

Link
Yamaha

  • Braaaver, du: Guido Gluschitsch führt die Yamaha 250 X-Max aus.
    foto: sulzbacher

    Braaaver, du: Guido Gluschitsch führt die Yamaha 250 X-Max aus.

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