Großteil der Jungen wollen Bosnien verlassen

27. Juli 2007, 15:25
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Kein Vertrauen in Zukunft des Dayton-Staatsgebildes - Mehr als die Hälfte interessiert sich nicht für Politik

Sarajevo - Mehr als die Hälfte der jüngeren Menschen in Bosnien und Herzegowina wollen nicht im eigenen Land leben. 62,6 Prozent der bis 30-Jährigen würden wegen der schlechten wirtschaftlichen und politischen Lage das frühere Bürgerkriegsland verlassen. Das hat eine Umfrage ergeben, die im Auftrag des UN-Entwicklungsprogramms (UNDP) durchgeführt wurde und deren Ergebnisse am Samstag in Sarajevo veröffentlicht wurden. Rund 88 Prozent der befragten 3500 Bürger bezeichneten die allgemeine Lage in dem Balkanland als schlecht oder sehr schlecht.

Mehr als die Hälfte der Befragten hat kein Interesse an der Politik. Neun von zehn Bosniern sind überzeugt, dass im öffentlichen und staatlichen Sektor Korruption herrscht. Deswegen erwartet die Hälfte der Befragten keine Verbesserungen in der Zukunft. Den vorherrschenden Pessimismus illustriert auch die Angabe, dass nur einer von 14 Befragten Vertrauen in andere Landsleute hat.

Seitdem der Bürgerkrieg (1992-95) durch den komplizierten Befriedungsvertrag von Dayton beendet wurde, besteht die ehemalige jugoslawische Teilrepublik Bosnien-Herzegowina aus zwei separaten Entitäten (Gebietseinheiten) - der Serbischen Republik und der Bosniakisch-Kroatischen Föderation. Das multiethnische, unter internationaler Vormundschaft stehende Gebilde ist institutionell gelähmt. Die Schaffung eines funktionierenden Staatswesens ist Voraussetzung für die weitere Annäherung von Bosnien-Herzegowina an die Europäische Union. (APA/dpa)

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