Ermittlungen gegen Atom-Konzern Vattenfall

15. Juli 2007, 18:47
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Der Brand im deutschen AKW Krümmel beschäftigt nun auch die Staatsanwaltschaft - Anlage wurde durchsucht

Wegen der Pannenserien in deutschen Atomkraftwerken des Stromkonzerns Vattenfall sind jetzt auch Polizei und Justiz aktiv geworden: Die Staatsanwaltschaft Lübeck hat am Freitag Teile in dem seit einem Brand stillgelegten AKW Krümmel durchsuchen lassen. Angaben von Oberstaatsanwalt Klaus-Dieter Schulz zufolge hatte sich Vattenfall geweigert, die Personalien eines Reaktormitarbeiters zu nennen, der als Zeuge befragt werden sollte. Vattenfall erklärte, man habe am Freitag einer Vernehmung zugestimmt.

Der Hintergrund des Einschreitens: Bei dem Brand waren Rauchgase in den Leitstand des Kraftwerks eingedrungen, sodass der Reaktorfahrer ein Atemschutzgerät anlegen musste. Es ist daher der Ansicht der Staatsanwaltschaft nach nicht auszuschließen, dass der Mann Anzeichen einer Rauchvergiftung hat. Das könne den Tatbestand der fahrlässigen Körperverletzung erfüllen. Uwe Döring, der Justizminister von Schleswig-Holstein, sagte am Freitag, Vattenfall habe der Staatsanwaltschaft die Einsicht in die Dienstpläne verweigert. Das sei "nicht akzeptabel".

Die Betriebsleitung von Vattenfall wies diesen Vorwurf zurück. "Wir haben in Kenntnis eines neuen Sachstandes heute morgen in Kooperation mit der Staatsanwaltschaft eine Zeugenbefragung zugestimmt", sagte Geschäftsführer Bruno Thomauske in Kiel.

Bis zum Morgen sei sein Unternehmen in dem Glauben gewesen, dass es sich um ein Ermittlungsverfahren handelte, dass von einer Tageszeitung in Gang gesetzt worden sei. Versuche, mit der Staatsanwaltschaft bereits am Donnerstagabend den Sachverhalt aufzuklären, seien gescheitert, sagte Thomauske. (AP/DER STANDARD; Printausgabe, 14./15.7.2007)

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    Der Brand im deutschen AKW Krümmel beschäftigt nun auch die Staatsanwaltschaft.

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