Kanadische Leihmütter im Graubereich

15. Juli 2007, 18:51
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Immer mehr ausländische Paare nehmen sie in Anspruch, dürfen sie aber nicht bezahlen

Immer mehr Paare aus dem Ausland suchen in Kanada nach einer Leihmutter, wie aus den Berichten der damit Beschäftigten hervorgeht. Die kanadischen Gesetze erlauben Leihmutterschaft, anders als jene in einigen europäischen Ländern wie Österreich. Zwar gelten die USA als Mekka der unfruchtbaren Paare, die ihr Kind von einer fremden Mutter austragen lassen wollen. Aber die Anwältin Sherry Levitan aus Toronto sagt, Kanada sei schon seit geraumer Zeit eine attraktive Alternative geworden. "Manche Leute haben eine Affinität zu Kanada", sagt sie. "In Europa haben die USA einen schlechten Ruf."

In den Vereinigten Staaten sei die Leihmutterschaft teuer, sehr kommerziell. In Kanada gehe es sanfter, liebevoller zu, erklärt die Anwältin, die Paaren bei Verträgen mit Leihmüttern hilft. Sie behauptet, in Kanada seien die meisten Leihmütter verantwortungsbewusste Mittelschichtfrauen, die vier Monate bezahlten Mutterschaftsurlaub bekämen

Und das ist noch nicht alles: Anders als in den USA deckt in Kanada die staatliche Krankenversicherung die medizinische Versorgung während Schwangerschaft und Geburt.

Spesenregelung

Aber ein Leihmütter-Paradies ist Kanada trotzdem nicht. Ein Gesetz aus dem Jahr 2004 verbietet es kanadischen Leihmüttern, Lohn für ihre Mühen zu verlangen, im Gegensatz zu manchen US- Staaten. Kanadierinnen dürfen nur die Auslagen bezahlt werden. Was aber genau Spesen sind, legen die Gesundheitsbehörden im Detail fest.

Diese Einschränkung, monieren Kritiker, brächten unfruchtbare Paare dazu, die Leihmütter heimlich für ihre Dienste zu entschädigen. Damit riskieren sie eine Gefängnisstrafe von bis zu zehn Jahren oder bis zu umgerechnet 350.000 Euro Geldbuße. Dieses Gesetz treibe Paare und Leihmütter in die Illegalität, berichtete eine Sendung des staatlichen Fernsehens CBC. Auf die Frage, warum Kanadierinnen überhaupt ohne Bezahlung Leihmütter werden wollten, sagt Levitan: "Manche Frauen sind einfach gern schwanger."

Wie viele ausländische Paare in Kanada eine Leihmutter finden, ist den Behörden nicht bekannt. Die Inhaberin einer Vermittlungsagentur in Toronto sagte der Zeitung The Globe and Mail, die Zahl ausländischer Kunden habe sich in den vergangenen fünf Jahren mehr als verdoppelt. Sie reisten aus Ländern wie Frankreich und Australien an. Die Empfangsdame einer Fruchtbarkeitsklinik in Toronto bestätigte, dass sie zunehmend ausländische Kunden, zum Beispiel aus Großbritannien, Deutschland oder Saudi-Arabien, hätten.

Leihmüttern werde viel Geld geboten

Sally Rhoads, eine ehemalige Leihmutter, die eine Webseite unterhält, berichtet, dass sie viele Anfragen aus dem Ausland erhalte. Sie sagt, Leihmüttern werde von verzweifelten Paaren viel Geld geboten. Es gebe Wege, das Gesetz zu umgehen, etwa durch mündliche Absprachen. Sally Rhoads findet, die Regierung sollte die Bezahlung von Leihmüttern unbedingt erlauben.

In einem sind sich die Experten einig: Bis die rechtlichen Bedingungen in Kanada nicht klarer sind, sollten ausländische Paare sehr vorsichtig sein und sich von Anwälten in ihrer Heimat und in Kanada beraten lassen. (Bernadette Calonego aus Vancouver/DER STANDARD; Printausgabe, 14./15.7.2007)

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