Keine Bade-Extras für Musliminnen

13. Juli 2007, 19:09
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Der Badetag für Musliminnen in Ried wurde abgeschafft, der geplante Frauenbadetag in Linz gar nicht eingeführt

Keine Bade-Extras für Musliminnen Der Badetag für Musliminnen in Ried wurde abgeschafft, der geplante Frauenbadetag in Linz gar nicht eingeführt. "Extras" für Muslime seien "falsch verstandene Toleranz", war das Ergebnis eines Runden Tisches in Ried, an dem auch Vertreter der Islamischen Glaubensgemeinschaft teilnahmen.

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Die Wellen schlugen hoch, als bemerkt wurde, dass muslimischen Frauen in Ried im Innkreis ein exklusives Badevergnügen nach Kassaschluss zugestanden wurde. Empörte Besucher drohten gar dem Pächter des Hallenbades, ihre Saisonkarte zurückzugeben, wenn die Bevorzugung von Ausländern in der FPÖ-Hochburg Ried nicht eingestellt werde. Daraufhin gab Gerald Hollriedler "dem massiven Druck" nach und verzichtete bis auf weiteres auf den muslimischen Badeabend (DER STANDARD am 17. März 2006).

Durch die Berichterstattung rund um dieses quasi Badeverbot für Musliminnen - laut den Regeln des Islam ist es Frauen nicht erlaubt, gemeinsam mit Männern zu baden - wurde aber die Linzer SPÖ-Vizebürgermeisterin Christiana Dolezal auf das Thema aufmerksam. Am 21. März 2006 kündigte sie im Standard an, in Linz einen allgemeinen Frauenbadeabend einführen zu wollen. Schwimmen für jene, "die, aus welchen Gründen auch immer, lieber unter ihresgleichen bleiben wollen" (Dolezal). Im Linzer Hummelhofbad sollte dieses neue Angebot eingeführt werden. Der Start war für Herbst 2006 angekündigt, dann sei die Generalsanierung des Hallenbades abgeschlossen. Doch aus den Plänen wurde nichts. Der Bedarf sei zu gering, heißt es jetzt aus Dolezals Büro. Nur zwischen 10 und 15 Interessentinnen hätten sich gemeldet, ergab die Bedarfserhebung via Internet. Und dies, obwohl eine Gruppe von Frauen dafür geworben hätte.

"Mangelnde Nachfrage"

Auch in Ried wurde der (muslimische) Frauenbadeabend bis heute nicht wieder eingeführt. ÖVP-Bürgermeister Albert Ortig nennt ebenfalls mangelnde Nachfrage als Grund. Damit sei schon zu rechnen gewesen, als es dieses Angebot noch geben habe. Anfangs seien an die 20 Musliminnen gekommen, später nur noch zwei bis drei. Dafür das Bad zwei Mal im Monat länger offen zuhalten, habe sich nicht rentiert, argumentiert der Bürgermeister.

Dennoch, nachdem dieses angebliche Privileg in Ried für derart viel Aufregung sorgte, initiierte Ortig mit den Organisatorinnen des Badeabends, Vertretern der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich sowie Politikern aller Gemeinderatsfraktionen einen runden Tisch. "Was für mich wirklich erstaunlich war." Die muslimischen Vertreter haben ausdrücklich gesagt, dass es "nicht in ihrem Interesse ist, einen muslimischen Badetag anzubieten". Dies sei "falsch verstandene Toleranz" und leiste der Integration keinen guten Dienst.

Wenn schon ein Extra-Badeabend, dann müsse dieser für alle Frauen offen stehen. Doch nicht einmal dafür hätten sich in Ried Schwimmerinnen gefunden. Und so werde es auch in dem neuen "Erlebnisbad" , das demnächst errichtet wird, nur im Sauna- und Wellnessbereich nach Geschlechtern getrennte Bereiche geben. Die Frauensauna sei nämlich sehr gefragt, erklärt Ortig. (Kerstin Scheller/DER STANDARD; Printausgabe, 14./15.7.2007)

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    Muslimische Frauen mussten in Ried nach Protesten aufs Schwimmen nach Kassaschluss wieder verzichten.

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