Platters wundersame Sicherheitsstudie

15. Juli 2007, 18:51
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Viel zitierte Untersuchung zeigt nur, dass Topmanager Österreich als sicher ansehen

Auf die Fragen nach der steigenden Kriminalität in Österreich antworten die Innenminister seit Ernst Strasser gerne mit dem Mantra "Österreich ist eines der sichersten Länder der Welt." Bei der Zusatzfrage, woher diese Gewissheit stammt, wird stets auf eine Schweizer Studie verwiesen. Zuletzt vom amtierenden Chef des Innenressorts, Günther Platter (VP). In einer Aussendung anlässlich der Halbjahresbilanz der Kriminalstatistik (4,7 Prozent mehr Delikte als im Jahr zuvor) freute er sich: "Erst zuletzt wurde Österreich in der neuesten Studie des ,Institute for Management Development' in Lausanne unter 55 führenden Industrienationen zum sichersten Land an die Spitze dieser Studie gereiht." Das Problem: In Wahrheit sagt die Untersuchung nur, welchen Eindruck Topmanager von der Sicherheitslage in Österreich haben.

"Hard Facts"

Denn die von den Ressortchefs so gerne zitierte Studie ist das "World Competitiveness Yearbook", eine Übersicht über die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit von 55 Industrienationen. Insgesamt 323 Faktoren werden pro Staat von dem privaten Schweizer Institut beziehungsweise seinen Partnern (in Österreich die Industriellenvereinigung und das Wifo) untersucht - verwendet werden dabei zwei Datenquellen. Für die "hard facts" wie Wirtschaftsleistung, Steuerquoten oder Infrastruktur werden Statistiken der internationalen und nationalen Institutionen ausgewertet. Für schwerer quantifizierbare Aspekte wie das Lebensgefühl kommen dagegen die Ergebnisse einer Umfrage zum Tragen. Einer Umfrage, an der sich heuer 3700 Mitglieder des gehobenen und mittleren Managementes in den 55 Staaten beteiligten haben.

"Soft Facts"

Und zu ebendiesen "soft facts" gehört einer der 323 Faktoren, genauer der Punkt "Persönliche Sicherheit und Privateigentum sind ausreichend geschützt". Und die internationale Managerschicht reiht Österreich bei dieser Umfrage-Frage tatsächlich seit Jahren an die erste Position. Heuer übrigens vor Island und Singapur.

In der schnöden Kriminalstatistik spiegelt sich das so begründete Bild des Innenministers nicht ganz: In Island gab es im Jahr 2005 (dem Jahr mit den jüngsten verfügbaren Daten) 90,3 Eigentumsdelikte pro 10.000 Einwohner. In Österreich lag diese Kennzahl im selben Jahr bei 524,65. (Michael Möseneder/DER STANDARD; Printausgabe, 14./15.7.2007)

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