Evolutionärer Wandel in Rekordzeit

23. Juli 2007, 12:39
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Der tropische Schmetterling Große Eierfliege entwickelte ein Gen zur Bakterienabwehr

Washington - Vor sechs Jahren noch war es auf zwei südpazifischen Inseln um die Männchen der Großen Eierfliege gar nicht gut bestellt. Das gefürchtete Wolbachia-Bakterium, das in der Insektenwelt als "Witwenmacher" gilt, hatte auch beim tropischen Prachtfalter zugeschlagen: Nur mehr ein Prozent der Gesamtpopulation bestand aus Männchen, die restlichen 99 Prozent waren Weibchen, die vom Bakterium unbehelligt bleiben.

Im Vorjahr allerdings hatten sich Faltermännchen wieder gut erholt, wie Sylvain Charlat vom University College London feststellte. Ihre Anzahl erreichte nahezu wieder jene der weiblichen. Was aber war geschehen?

Das Forscherteam rund um Charlat fand heraus, dass die Schmetterlinge innerhalb von nur zehn Generationen ein so genanntes Supressor-Gen entwickelt hatten, womit Wolbachia erfolgreich abgewehrt werden kann, wie die Forscher in der aktuellen Ausgabe von "Science" (Bd. 316, S. 214) schreiben.

"Soweit mir das bekannt ist, ist das der schnellste evolutionäre Wandel, der je beobachtet wurde", meinte dazu Charlat. Unklar ist dabei allerdings, ob die rettende Gen-Variante von den Faltern auf den Inseln selbst entwickelt wurde, oder durch südostasiatische Artgenossen importiert wurde. Sicher ist, dass sich da Evolution in Rekordtempo vollzog. Und einmal mehr bestärkt er die These, dass Parasiten eine ihrer wesentlichen Triebkräfte sind. (Klaus Taschwer/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14./15. 7. 2007)

  • Von einem Bakterium auf Samoa beinahe ausgerottet: die
männlichen Vertreter der Großen Eierfliege.
    foto: wikimedia

    Von einem Bakterium auf Samoa beinahe ausgerottet: die männlichen Vertreter der Großen Eierfliege.

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