der schönste Tag der Woche: Hühnerparadieses um 7 Uhr 33

14. Juli 2007, 08:31
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Seit einigen Wochen liegen auf meinem Schreibtisch zwei Zettel, die mir ziemliches Kopfzerbrechen bereiten. Auf dem einen steht "Hühnerparadies", auf dem anderen "7 Uhr 33"

Obwohl es sich bei beiden Notizen eindeutig um meine Handschrift handelt, habe ich nicht die geringste Ahnung, was sie bedeuten sollen. Gut, ich kenne in Oberranna (in der Nähe von Unterranna bzw. Niederranna) vier Hühner, die in einer Art Paradies leben, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass ich mir jemals über deren Dasein Gedanken gemacht hätte. Außerdem ärgern mich diese Hühner ständig, indem sie mir, sobald ich im Garten sitze, auf den Schoß hüpfen, um von mir gestreichelt zu werden. Wahrlich paradiesische Zustände (zumindest für die Hühner.) Was nun die Zeitangabe "7 Uhr 33" betrifft, so stehe hier ich ebenso vor einem Rätsel wie im Falle des "Hühnerparadieses". Habe ich irgendwann in den letzten Wochen um 7 Uhr 33 einen ganz wichtigen Termin versäumt? Oder sollte ich an einem bestimmten Tag ausgerechnet um 7 Uhr 33 jemanden anrufen, um ihm oder ihr etwas Brisantes mitzuteilen? Ich werde es wohl nie erfahren.

Ich vermute ja, dass das alles mit ADS zusammenhängt, dem Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom, das mich schon seit längerer Zeit fest im Griff hat. Sie kennen das sicher aus eigener Erfahrung: Sie machen sich eine Notiz, dass Sie am nächsten Morgen – vielleicht um 7 Uhr 33? – einen Handwerker anrufen müssen. Beim Stichwort Handwerker stehen Sie automatisch auf, weil Sie schon seit Monaten eine schadhafte Stelle an der Wohnzimmerwand mit Moltofill ausbessern wollen. Auf dem Weg zum Kasten, in dem sich das Moltofill befindet, überlegen Sie, noch schnell ein Glas Wasser zu trinken. Sie gehen in die Küche, holen ein Glas aus dem Schrank und stellen fest, dass die Fächer staubig sind. Also machen Sie einen Abstecher ins Bad, wo die Putzfetzen in einem Kübel neben der Waschmaschine liegen. Da die Waschmaschine ohnehin schon voll ist, drücken Sie den Start-Knopf (40 Grad, 77 Minuten mit Zeitspartaste) und werfen kurz einen Blick in den Spiegel. Dabei sehen Sie, dass Sie ein Wimmerl auf der Nase haben, das auch noch schnell ausgedrückt gehört. Ein paar Stunden später haben Sie zwar an einem Polsterüberzug einen Knopf angenäht und den Staub von Ihrem Ficus Benjamina entfernt, aber das Moltofill steht immer noch unberührt im Schrank, und der Tippel auf Ihrer Nase ist auch nicht kleiner geworden.

Aber ich kann Sie beruhigen: Als ich unlängst meinen Arzt in Sachen ADS um Rat fragte, meinte er nur lakonisch: "Ach was, Mäandern ist doch gut für die Seele." Seither fühlt sich ADS richtig gut an. Aber was ich eigentlich sagen wollte: In Michelndorf in der Nähe von Moosbierbaum und Atzenbrugg findet am 14. Juli ab 19 Uhr eine sogenannte "Spanferkel-Vernichtung" statt. "Schlafmöglichkeiten im Keller sind vorhanden." Ich gebe diese Einladung, die mir wohl eher irrtümlich per E-Mail zugestellt wurde, einfach so weiter, weil ich keine Zeit habe hinzufahren. Hier noch eine wichtige Zusatzinformation: "A 1 hat nur GPRS, die HSDPA-Wolke beginnt erst in der Nähe von Neulengbach. T-Mobile HSDAP/AMTS sollte dort aber verfügbar sein." Alles klar?

Es gäbe noch viel zu berichten, aber bevor diese Kolume zu Ende ist, muss ich noch unbedingt darauf hinweisen, dass Ingmar Bergman am 14. Juli seinen 89. Geburtstag feiert. Bitte erheben Sie Ihr Glas auf den großen Regisseur. "Danke." (Ingmar Bergman: "Aus dem Leben der Marionetten", S. 95) (Kurt Palm, ALBUM/DER STANDARD/Printausgabe, 14./15.07.2007)

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