Rettungsversuch als Verteidigungslinie

18. Juli 2007, 14:21
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Angeklagte berufen sich auf Abwendung einer Pleite – Match Elsner gegen Flöttl

Die Erwartungen an die juristischen Aufarbeiter des Bawag-Skandals sind hoch. Die (mediale) Öffentlichkeit erwartet klare Schuldzuweisungen in Form von Verurteilungen (Strafrahmen: bis zu zehn Jahre) – die meisten Angeklagten fühlen sich bar jeder Schuld.

Sie haben sich über die Jahre (die ersten Karibik-Verluste offenbarten sich 1998) ihre eigene Welt zurechtgezimmert – und wollen beweisen, "dass wir ja nur die Bank retten wollten", wie sie sinngemäß sagen. Exaufsichtsratschef Günter Weninger dürfte sich damit verantworten, unkorrekt und unvollständig informiert worden zu sein.

Überzeugungen

Und der von den Bayern in den Vorstand entsandte Ex-Banker Christian Büttner hat in seinen Einvernahmen stets darauf verwiesen, 1998 gegen weitere Geldflüsse an Flöttl gestimmt zu haben. Dafür, dass er einem weiteren Kredit dann doch zugestimmt hat, habe er sich in einem Notariatsakt abgesichert; er dürfte damals zur Überzeugung gelangt sein, dass eine grundlegende Bereinigung der Probleme wohl erst in der Ära nach Elsner möglich sein würde.

Exvorstandschef Johann Zwettler wiederum dürfte heute noch überzeugt sein, dass die Karibikverluste ohne Refco (das US-Brokerhaus ging Ende 2005 Pleite) Ende 2005 verdaut gewesen wären. Dass man Flöttl nach dem ersten Riesenverlust weitere Millionen anvertraute, hat er in seinen rund 18 Einvernahmen mit der Vergangenheit erklärt: 1988 bis 1998 habe Flöttl der Bank nur Gewinne gebracht, 1998 hätten Banken weltweit Verluste eingefahren.

Elsner gegen Flöttl

Letztlich werden die Ex-Banker alle dasselbe Bild strapazieren: Wären die Probleme 2000 aufgeflogen, hätten die Sparer ihr Geld abgeholt, die Bawag wäre Pleite gegangen, weil die Verluste "damals noch nicht verarbeitet waren". Dass in der Realität der ÖGB auf den Schulden sitzen blieb, sehen sie so nicht.

Das härteste Match freilich wird zwischen Elsner und Flöttl laufen. Elsner wird Flöttl vorwerfen, seine Befugnisse überschritten zu haben, Flöttl wird dagegenhalten und entsprechende Verträge vorlegen. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14./15.7.2007)

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