Paulis Karrieretraum entsetzt CSU-Spitze

21. Juli 2007, 18:43
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Fürther Landrätin kündigt überraschend an, auch für den CSU- Vorsitz kandidieren zu wollen - Die Partei schwankt zwischen Entsetzen und Amüsement

Nun sind es schon drei: Nach Bundesverbraucherminister Horst Seehofer und dem bayerischen Wirtschaftsminister Erwin Huber will sich auch Pauli am Parteitag im Herbst um den CSU-Vorsitz und damit um die Nachfolge von Edmund Stoiber bewerben.

"Programme gibt es weder von Seehofer noch von Huber, es ist eine reine Personendiskussion geworden. Die Mitglieder sollen eine weitere Alternative haben", erklärt sie ihr Antreten und wirbt gleich für sich selbst: "Ich möchte diejenigen um mich scharen, die mit neuen Ideen auf konservativer Grundlage die CSU erneuern wollen. Was ich mache, ist richtig und gut." Deshalb habe sie aus der "Mitte der Parteitags-Delegierten" schon viel Zustimmung bekommen.

Deutlich weniger angetan ist die Parteispitze. "Ich bin überzeugt, dass Erwin Huber Parteichef wird und Frau Pauli da nicht den Hauch einer Chance hat", sagt der designierte bayerische Ministerpräsident und derzeitige bayerische Innenminister Günther Beckstein und kritisiert: "Ich weiß nicht, ob sie diese Kandidatur ernst nimmt. Wenn sie das tut, dann habe ich den Eindruck, dass sie die Situation völlig verkennt."

Sichtlich genervt reagierte Huber. Zwar betonte er, es stehe "jedem frei zu kandidieren", doch auf Nachfrage grummelte Huber: "Jetzt is' a Ruah!" Emilia Müller, Chefin der CSU-Frauen-Union, versichert, Pauli brauche nicht auf die Unterstützung der Frauen hoffen. Spott kommt vom CSU- Bundestagsabgeordneten Alexander Dobrindt: "Der CSU-Parteitag ist kein Laufsteg für Latexmodels. Frau Pauli scheint sich in der Adresse zu irren."

Pauli, die im Herbst 2006 mit ihrer Kritik den Sturz Stoibers einleitete, hatte zuletzt mit Fotos für Schlagzeilen gesorgt, als sie sich im Hochglanzmagazin Park Avenue in Latex und Leder zeigte. "Ihr Antreten ist völlig lächerlich, es nützt nur Huber, der damit als seriöser Kandidat da steht", sagt der Politologe Andreas Kießling zum Standard.

Huber liegt mittlerweile laut einer Forsa-Umfrage mit 47 Prozent Zustimmung vor seinem Konkurrenten Seehofer. Dieser ist wegen seiner Affäre auf 35 Prozent heruntergerasselt. Erst diese Woche hat Seehofer nach Monaten Bedenkzeit mit den Worten "die Familie Seehofer bleibt zusammen" die Rückkehr zu seiner Frau und den drei Kindern verkündet. Seiner wenigen Wochen alten unehelichen Tochter Anna fühlt er sich aber weiter verpflichtet. Eine Kampfabstimmung um den CSU-Vorsitz gab es erst einmal: 1955 unterlag Franz Josef Strauß Hanns Seidel. (Birgit Baumann aus Berlin/DER STANDARD, Printausgabe, 14./15.7.2007)

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    Gabriele Pauli regt die CSU diesmal ohne Latex, aber mit ihrer Kandidatur auf.

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