Nicht genügend, setzen bitte!

18. Juli 2007, 15:00
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...so fällt das Zeugnis für die neuen Sitze in der U-Bahn aus. Dabei wären die Regeln so einfach - Von Christine Diethör

Der Silberpfeil hat ausgedient. An seiner Stelle fahren bereits einige neue Züge mit Vollklimatisierung – und eigenartigen rot-orangen Hartschalensitzen. Während Ersteres durchaus ein Segen ist, ist Letzteres ein Rückschritt in die Zeit der Uralt-Straßenbahnen. Die neuen Kunststoffhartschalen mögen zwar besser zu reinigen sein, sie sind aber auch schlichtweg unbequemer als die gepolsterten Stühle der Vorgängergeneration. Doch der Hang zur Härte machte sich schon vor längerer Zeit bemerkbar: Nach und nach wurden die alten U-Bahn-Garnituren umgerüstet – von Stoff zu Hartplastik.

Dass es mittlerweile auch schon Schaumstoffe mit hochwertigem und robustem Lacküberzug gibt, dürfte sich noch nicht herumgesprochen haben. Doch das größte Problem kommt erst: Bei kleineren und mittelgroßen Menschen baumeln die Füße in der Luft und machen in den Kurven dann die gleiche schwingende Bewegung mit wie die vielen Haltegriffe über den Köpfen. Man sitzt schlichtweg zu hoch. Das ist so ziemlich die schlechteste Möglichkeit, eine Sitzgelegenheit auszuformen.

Die passende Sitzhöhe und die passende Sitztiefe sind die wichtigsten Kriterien für bequemes Sitzen. Die Sitzhöhe für aufrechtes Sitzen sollte je nach Körpergröße um die 45 Zentimeter betragen, die Sitztiefe um die 50. Fauteuils und Lounge-Chairs sind niedriger, sollten aber eine Sitzhöhe von 40 Zentimetern nicht unterschreiten. Dafür kann hier die Sitztiefe größer werden. Sollten die Rückenlehnen im ersteren Fall eher gerade sein, so sind sie bei den niedrigen Sesseln, die zum Entspannen einladen, nach hinten geneigt. Eine Polsterung erhöht den Sitzkomfort.

Apropos Polstermöbel: Zu geringe Sitzhöhen und zu große Sitztiefen können auf Dauer Probleme bereiten. Die heute gern verwendeten und durchaus schönen Polstermöbel sind eher zum Liegen als zum Sitzen geeignet. Sind diese Couches dann auch noch weich gepolstert, wird das Aufstehen mitunter zum Sport. Für Menschen im reiferen Alter mit nicht mehr ganz taufrischen Kniegelenken und Bandscheiben sind solche Sitzmöbel meist gar nicht mehr zu benutzen. Hersteller von hochwertigen Polstermöbeln bieten ihre Produkte daher oftmals in zwei Höhen und verschieden weichen Polsterungsarten an. Im Zweifelsfalle sollte man sich für die Ergonomie entscheiden. Sonst wird’s so unbequem wie in der U-Bahn. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14./15.7.2007)

  • Arch. Christine Diethör, Innenraum- Expertin.
    foto: standard

    Arch. Christine Diethör, Innenraum- Expertin.

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