Zahlreiche Politiker bei Zelman-Begräbnis

13. Juli 2007, 15:23
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Gusenbauer und Häupl: "Er hat Böses mit Gutem beantwortet" - Eisenberg: "Er hat Österreich einen Gefallen getan"

Wien - Der am Mittwoch verstorbene Leiter des Jewish Welcome Service (JWS) Leon Zelman ist heute Freitag am Wiener Zentralfriedhof beigesetzt worden. Zahlreiche ranghohe Politiker haben an dem Begräbnis teilgenommen. Von der Regierung waren Bundeskanzler Alfred Gusenbauer, Bildungsministerin Claudia Schmied und Wissenschaftsminister Johannes Hahn gekommen. Gusenbauer und Wiens Bürgermeister Michael Häupl erwiesen dem Holocaust-Überlebenden in ihren Reden vor mehreren Hundert Trauergästen ihre letzte Ehre: "Er hat Böses mit Gutem beantwortet", betonten sie. Oberrabbiner Paul Chaim Eisenberg, der durch die Feier führte, meinte: "Leon hat der Republik Österreich einen Gefallen getan".

"Kampf für die Erinnerung

"Er hat den Kampf für die Erinnerung gewonnen", meinte der Bundeskanzler in seiner Rede. Zelman sei nie müde geworden, gegen Antisemitismus aufzutreten und die Erinnerungskultur aufzubauen. "Er wollte, dass die Welt besser wird und er hat das Böse mit dem Guten beantwortet", so der Kanzler. Damit stehe Zelman Seite an Seite mit wenig anderen, wie etwa Nelson Mandela. "Er hätte im Leben noch viel mehr Anerkennungen und großzügigere Förderungen für sein Werk verdient", meinte Gusenbauer in der gesteckt vollen Zeremonienhalle der jüdischen Kultusgemeinde am Zentralfriedhof. "Alle jene, die dies zu verantworten haben, sollten darüber nachdenken, dass Menschlichkeit nicht Opfer bugdetärer Überlegungen sein darf", betonte er.

Freude darüber, dass Zelman Wien wieder "als seine Heimat erkannt hat", drückte Häupl bei seiner Ansprache aus. Mit Zelman und dessen fröhlichen, manchmal "ruppigem" Wesen habe man einen unersetzbaren, unwiderbringlichen Menschen verloren. Er dankte dem Leiter des Welcome Service für dessen stetiges Einmahnen von Auseinandersetzung und Vergebung. Zelman habe Unerträgliches durchgemacht "ohne sich der Rache oder dem Hass zu ergeben", meinte Häupl. "Ich weiß nicht wie aus so viel Unerträglichkeit so ein Mensch werden konnte", so Häupl.

Zahlreiche Trauergäste

Zur Beisetzung sind zahlreiche ranghohe Vertreter aus der Politik erschienen. Ursula Stenzel, Bezirksvorsteherin der Wiener City, Ex-LIF-Chefin Heide Schmidt, der Pressesprecher von Bundespräsident Heinz Fischer, Bruno Aigner, der ehemalige Herausgeber und Chefredakteur der Zeitung "Jerusalem Post", Ari Rath, die Grüne Volksanwältin Terezija Stoisits und Ex Bundeskanzler Franz Vranitzky befanden sich unter anderem unter den Trauergästen.

Zelman war vergangenen Mittwoch nach schwerer Krankheit im Alter von 81 Jahren verstorben. Der Holocaust-Überlebende hatte den "Jewish Welcome Service" 1980 gegründet. Zum Ziel setzte sich die Non-Profit-Organisation, internationale Öffentlichkeitsarbeit für die jüdische Kultur in Österreich zu leisten, um zu einem "besseren Verständnis zwischen Juden und Nichtjuden beizutragen". Die Schwarz-Blaue Koalition hatte die Fördermittel für das "Jewish Welcome Service" 2000 gekürzt. (APA)

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