Am Ende der Nahrungskette 2.000fache Schadstoff-Belastung

14. Juli 2007, 17:30
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Kanadische Studie schlüsselt bislang unterschätzte Belastung durch Bioakkumulation von Chemikalien in Mensch und Tier auf

Vancouver - Bisher unbeobachtete Umweltgifte reichern sich in Lebewesen wesentlich stärker an, als dies bisher bekannt war. Zu diesem Schluss kommen Wissenschaftler der kanadischen Simon Fraser University in Burnaby. Auch wenn es Bestrebungen gibt, die chemische Verunreinigung einigermaßen unter Kontrolle zu bekommen, werden dennoch tausende Toxine vernachlässigt, die ebenso gefährliche Auswirkungen auf Mensch und Umwelt haben, berichten die Forscher im Wissenschaftsmagazin "Science".

Lange biologische Halbwertszeit

Die Erkenntnisse betreffen rund ein Drittel aller industriell verwendeten Chemikalien - darunter auch Parfums und Pestizide. Die Regulierungen müssten dringend geändert werden, raten die Forscher um den Umwelttoxikologen Frank Gobas. Einige der organischen Substanzen wie etwa das Pestizid DDT und PCBs sind bekannt dafür, dass sie sich im Organismus anreichern, wenn ein Tier ein anderes frisst. Das Forscherteam hat auch entdeckt, dass Hexachlorocyclohexan - ein Bestandteil des Pestizids Lindan - die gleiche Konzentration in Algen, Muscheln und Fischen aufweise, allerdings im Eisbären in wesentlich höheren Konzentrationen gefunden wurde. Diesen Vorgang der Erhöhung der Konzentration von Stoffen in biologischen Systemen nennt man Bioakkumulation. Von besonderer Bedeutung ist dabei die Weitergabe von Schadstoffen in Nahrungsketten, wobei Stoffe mit einer langen biologischen Halbwertszeit, also solche Stoffe, die nicht oder nur sehr langsam abgebaut oder ausgeschieden werden, sich bis an das Ende Nahrungskette sehr stark anreichern können.

2.000fache Belastungssteigerung

Das Forscherteam hat mehr als ein Dutzend Tiere untersucht, darunter waren Enten, Beluga-Wale und Eisbären. In der Studie von Gobas wurden aber nicht die gesundheitlichen Auswirkungen der Chemikalien untersucht. Wie dramatisch diese Situation allerdings beim Menschen, der am Ende der Nahrungskette steht, ist, konnten die Wissenschaftler erneut bestätigen: Einem Computermodell bei den Inuit in Nord-Kanada zufolge, reichern sich manche chemische Substanzen um das 2.000fache im Vergleich zu jenen an der Basis der Nahrungskette an. Die Inuit sind Jäger, die unter anderem auch Beluga-Wale essen. Diese sind wiederum bekannt dafür, dass sie hohe Konzentrationen an PCBs in sich tragen.

Wale sind generell empfindlicher für die so genannte Biomagnifikation, der Anreicherung von Schadstoffen aus der Umwelt in Lebewesen über die Nahrung. Das Paradebeispiel für Biomagnifikation ist neben den PCBs auch das Insektizid DDT. Es gibt einen Bericht, wonach sich die Konzentration des für die Malariabekämpfung verwendeten Insektizids vom Zooplankton bis hin zum Fischadler um das 625fache erhöht. (pte)

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    Bei der Bioakkumulation fällt die Weitergabe von Schadstoffen in Nahrungsketten und die längere biologische Halbwertszeit diverser Stoffe ins Gewicht: Bis an das Ende Nahrungskette können sich Chemikalien stark anreichern.

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