Nachfragedruck lässt Wechselprämien steigen

13. Juli 2007, 17:00
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Die Konjunktur läuft, die Experten fehlen: In der EDV ist fast ein Drittel mehr drin

"Auch wenn der Bundeskanzler behauptet, wir hätten kein Problem im Bereich Fachexperten – wir haben ein ganz massives Problem", poltert Michael Podlaha, Managing-Partner der Teamforce, los, aufmunitioniert mit dem aktuellen Gehaltshandbuch. Die Analyse von 87.000 Positionen in fast 400 Unternehmen aller Größenordnungen durch Bruno Gangel ergibt dort: Datenbankdesigner werden so händeringend gesucht, dass durchschnittlich schon über 27 Prozent Wechselprämie gezahlt werden. Buchhalter fehlen demnach auch massenweise – sie können in einem neuen Job mit fast 17 Prozent mehr Gage rechnen. Verfahrenstechniker, Labormitarbeiter und Controller erwartet, wenn sie wechseln, ebenfalls ein deutlich aufgewerteter Gehaltsscheck (siehe Grafik).

Personalberater ächzen auch

Wie lebensnah diese Steigerungen derzeit seien, wo doch Papier und vor allem Statistiken bisweilen recht geduldig sind? "Sehr", sagt Podlaha, "die Unternehmen zahlen das auch" – respektive würden zahlen, wenn sie die Leute finden würden. Denn: "Der Markt ist so trocken, es gibt die Gesuchten einfach nicht."

Damit spricht er aus, was viele Personalberater bei ihren Besetzungen seit Monaten erleben: Die Kluft zwischen denen, die keinen Job (mehr) finden, und denen, die dringend gebraucht werden, wächst, die Asymmetrien verstärken sich. Der Markt für bestimmte Fachkräfte – dazu zählt auch der Vertrieb – ist ausgetrocknet. Die Suche ist extrem schwierig, verlangt geschickte Nutzung aller Kanäle, attraktives Arbeitgeber-Image und im besten Fall einen Vorteil durch laufendes strategisches Personalmanagement. Podlaha beschreibt die Situation "teilweise" als "Horror" und berichtet: "Ein 25-jähriger Bakkalaureus, ziemlich frisch in der IT-Tochter einer Bank, hat sich durch Wechsel von 2600 auf 3300 Euro monatlich verbessert." Anmerkung Podlahas: Die Absolventen der Fachhochschulen ohne Berufserfahrung würden ihr Marktniveau deutlich überschätzen. Wer meine, er könne auf einer Fachhochschule ein "Studium light" absolvieren und dann sehr teuer in den Markt gehen, irre. Dann sei das Einstiegsgehalt sogar oft nur vergleichbar mit den Werten für Matura-Niveau. Das Institut für Wirtschaftsforschung (Wifo) hatte zum Jahreswechsel bereits vorgerechnet, dass der Mangel an Fachexperten das Wachstum hemme. Podlaha setzt nach und sieht diesen Trend sich weiter verschärfen, sollte die Konjunktur nicht völlig einbrechen – wovon unter den europäischen Wirtschaftsforschern derzeit niemand ausgeht.

Die Gehaltsspirale bei vielen Expertenpositionen werde sich weiter nach oben drehen, ist Teamforce überzeugt. Recruiter müssten sich auf massive Forderungen der so dringend gesuchten Talente einstellen: „Gleiches oder sogar Abstriche wegen guten Klimas oder anderer Argumente“ sieht Podlaha bald gar nicht mehr.

Ob möglicherweise eine Mitschuld der Unternehmen an ihrer misslichen Situation bestehe? Podlaha bejaht. Einerseits sei bis zum Anschlag abgespeckt worden, andererseits zu wenig strategisch ausgebildet und aufgebaut worden.

Ein weiterer Trend bestätigt sich auch in dieser Untersuchung der Gehaltstrends: Die Bonussysteme sind ziemlich ausgereizt. Die Ziele wurden offenbar realistischer gesteckt und weisen einen durchgängig sehr hohen Erreichungsgrad (zwischen 70 und 80 Prozent) auf. Und: Die Einkommensdynamik zeigt in allen Branchen nach oben. Die größten Steigerungen 2006 auf 2007 weist diese Gehaltsstudie für Logistiker und Supply-Chain-Spezialisten mit fast plus 13 Prozent aus. (kbau, Der Standard, Printausgabe 14./15.7.2007)

  • Wechselprämie auf das Jahresbrutto
    grafik: der standard

    Wechselprämie auf das Jahresbrutto

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