Guter Rat

13. Juli 2007, 17:00
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Medizin und Pharmakologie entdecken zunehmend den großen Unterschied der Geschlechter und die notwendigen unterschiedlichen Zugänge

In der psychologischen Ratgeber-Literatur findet das auch seinen Niederschlag. Zwei empfehlenswerte Bücher mit "gender"-Zugang sind kürzlich zum Thema Burnout erschienen (Sabine Fabach: "Wenn Frauen über ihre Grenzen gehen", Orell Füssli 2007, und Dagmar Ruhwandl: "Erfolgreich ohne auszubrennen", Klett-Cotta 2007). Gute Amazon-Rezensionen haben auch nach wie vor Herbert Freudenberger, Gail North: "Burn-Out bei Frauen". Die Erkenntnisse daraus: Beschleunigtes Arbeitstempo, wenig Chance in verantwortungsvollen Positionen, die Job-Themen loszulassen, wachsender Konkurrenzdruck, Dauerstress in der Selbstständigkeit und das tägliche Zähnezusammenbeißen betreffen natürlich beide Geschlechter. Perfektionisten mit hohen Leistungsansprüchen haben natürlich in beiden Geschlechtern die besten "Chancen" auf Burnout.

Bei Frauen kommt allerdings oft noch der Stressfaktor, es allen Recht machen zu wollen, dazu. Alte Rollenmuster (sich um die Mitmenschen kümmern, ausgleichen, harmonisieren) geraten mit den neuen Anforderungen (erfolgreich sein, gegen andere kämpfen und Verluste in Kauf nehmen) in einen spezifischen Konflikt. Das heißt nicht, dass es für Männer einfacher oder leichter ist, zu entsprechen, die "Heldenschablone" auszufüllen. Aber eben anders – und vor allem haben sie länger gelernt. Aber: Beim Thema Gender aufzurechnen führt sowieso selten zu gewünschten Ergebnissen. Umso wichtiger ist es, die Ratgeber und Coaches, die man bezahlt, mit Gender-Bedacht auszuwählen. Bloße Anleitungen für Frauen, man solle sich doch mal eine ordentliche Kinderbetreuung organisieren und fest netzwerken gehen (wie das eben oft geschieht), sind ihr Geld möglicherweise nicht wert, um weiblichen Burnout so gut es geht zu verhindern. (Karin Bauer, Der Standard, Printausgabe 14./15.7.2007)

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