Jüdischer Friedhof: Nächster Anlauf für Erhaltung

25. April 2008, 14:50
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Prammer legt Plan zur Rettung vor - Kosten von 14 Millionen Euro "realistischer Wert"

Den Anstoß brauchte es von außen: Vergangenen Sonntag hatten wie berichtet Angehörige der US-Botschaft geholfen, den seit Jahren verwahrlosten Währinger Jüdischen Friedhof etwas vom Gestrüpp zu befreien.

Nun schaltet sich die Politik wieder ein. Was als gut gemeinte Aktion gedacht war, hält Nationalratspräsidentin Barbara Prammer zwar „grundsätzlich für entbehrlich“, da immer wieder gerodet werde. Dafür stellt sie nun die Rettung des Friedhofs in Aussicht. Erneut, denn schon im März hatte sie in einem Standard-Interview von „höchster Priorität“ gesprochen.

14 Millionen Euro

Die kolportierten 14 Mio. Euro für die Restaurierung seien ein realistischer Wert, sagte Prammer nun am Freitag, eine Sonderfinanzierung sei nötig. Die gesamten Arbeiten sollen laut Experten sechs, vielleicht sogar zehn Jahre dauern. Erster Schritt sei ein Vorprojekt, das zwei bis drei Jahre laufen und auf Kosten des Nationalfonds pro Jahr mit rund 200.000 Euro finanziert werde. Der Fonds wird die Durchführung einer Bestandsaufnahme ausschreiben. Parallel dazu soll es erste Sanierungsarbeiten geben.

Auf Letzteres setzt die Historikerin Tina Walzer: „Bäume müssen geschnitten, Gestrüpp gerodet und umgefallene Grabsteine aufgestellt werden.“ Und das müsse „jetzt geschehen“. In drei Jahren seien wertvolle Grabsteine für immer zerstört, fürchtet sie, „das sieht man schon bei einer Begehung“.

Walzer arbeitet seit August 2006 an einer Zustandserhebung des Friedhofes – 20.000 Euro hat der Zukunftsfonds für dieses Jahr genehmigt. Die Hilfe der Amerikaner bewertet sie anders als Prammer: „Ich habe auf die Hilfe von Freiwilligen gesetzt, weil sich sonst niemand zuständig fühlte.“ Die US-Mannschaft legte übrigens 100 Gräber frei. (pm/DER STANDARD; Printausgabe, 14./15.7.2007)

Ansichtssache:

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  • Rettung in Sicht: Der jüdische Friedhof in Währing könnte in etwa zwei Jahren endlich saniert werden
    foto: derstandard.at/robausch

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