Berater sehen Potenzial für Scharia-konforme Finanzgeschäfte

13. Juli 2007, 20:03
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A.T. Kearney: Bei einer jährlichen Zuwachsrate von zehn bis 15 Prozent entstünden auch für Österreich neue Marktchancen

Weltweit verfügen rund 1,3 Milliarden Muslime über ein Gesamtvermögen von rund 2,5 Billionen US Dollar, so die Berater von A.T. Kearney. Mehr als 300 islamische Finanzinstitutionen in 75 Ländern verwalten demnach diese Gelder nach islamischem Recht, der Scharia. Bei einer jährlichen Zuwachsrate von etwa 10 bis 15 Prozent entstünden auch für Österreich neue Marktchancen im Bereich Islamic Banking, so eine aktuelle Studie zum Thema. Voraussetzung sei es, die gesetzlichen Rahmenbedingungen entsprechend anzupassen.

Potenzial für "Islamic Banking"

Rund 400.000 Muslime, die westliche Finanzprodukte aufgrund des islamischen Rechts, der Scharia, nicht in Anspruch nehmen sollen sehen die Berater als Potenzial. Österreichs Banken stünden damit vor der Chance, Scharia-konforme Produkte, die unter dem Begriff "Islamic Banking" gebündelt werden, zu entwickeln und anzubieten. Während das Durchschnittseinkommen in Österreich bei 27.913 Euro im Jahr liege, verdiene die muslimische Bevölkerung durchschnittlich rund 5.000 Euro weniger, habe aber eine doppelt so hohe Sparquote wie die Gesamtbevölkerung.

Zwischen Moral und Rendite

Der Koran verbietet für den Besitz von Geld Zinsen zu verlangen und damit einen vorab festgesetzten Gewinn zu erzielen. Das Zinsverbot – "Riba" genannt – beruht auf dem moralischen Prinzip, sich nicht an jenen zu bereichern, die gezwungen sind, Geld auszuleihen. "Gharar", eine weitere Regel der islamischen Religion, verbietet vertragliche Unsicherheiten und Spekulationen, während "Maysir" jegliche Art von Glücksspiel untersagt. Investitionen in "sündhafte" Geschäftsfelder wie Waffen, Alkohol, Prostitution oder Pornografie sind ebenfalls unzulässig. Auf Basis des islamischen Glaubens seien somit Kreditgeschäfte, Kreditkarten sowie Obligationen, Optionen, Derivate, Termingeschäfte und Hedge Fonds ausgeschlossen.

Sharia-konforme Optionen

Erträge aus Investitionen sowie aus Handelsgeschäften seien hingegen gestattet. Hierfür wurden spezielle islamische Bankprodukte entwickelt, die für Handelsfinanzierungen, Hypotheken, Leasingverträge, Risikokapital, Joint Ventures und Projektfinanzierungen genutzt würden. Die Raiffeisen Zentralbank (RZB) bietet etwa Muslimen ein den islamischen Regeln, auf Basis des Zinsverbots, entsprechendes Konto an. Auch die Erste Bank will noch dieses Jahr nachziehen und einen Fonds nach islamischem Recht in ihr Portfolio aufnehmen. (red)

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