Gabriele Pauli will CSU-Vorsitz

13. Juli 2007, 12:04
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Fürther Landrätin gibt Kandidatur bekannt - Pauli hatte Stoibers Abdankung ins Rollen gebracht

Fürth/München - Die Fürther Landrätin Gabriele Pauli will Nachfolgerin des von ihr heftig kritisierten CSU-Chefs Stoiber werden. Pauli werde sich auf dem CSU-Parteitag Ende September um den Parteivorsitz bewerben, sagte ihr Sprecher am Donnerstag der dpa. Pauli wird dann gegen Bayerns Wirtschaftsminister Huber und den deutschen Agrarminister Seehofer antreten.

"Provokation"

Beide reagierten gelassen auf Paulis Ankündigung. Andere CSU- Funktionärinnen wie die Vorsitzende der Frauen-Union in Bayern, Müller, sprachen dagegen von einem "Mediengag" und einer "Provokation".

Einzelheiten zu ihrer Kandidatur will die 50-Jährige am Freitag auf einer Pressekonferenz erläutern. Im Deutschlandfunk begründete sie ihre Bewerbung damit, dass die CSU neue Akzente und ein neues Konzept brauche. Die Partei müsse offener werden, die Mitglieder stärker in Entscheidungen einbeziehen, aber auch auf Andersdenkende zugehen. Das konservative Gedankengut habe weiter Bestand, doch müsse sich die CSU zugleich ein modernes Profil bekommen, erklärte Pauli.

"Jeder kann kandidieren"

Huber sagte: "Es steht jedem frei zu kandidieren." Seine Bewerbung um das Amt des CSU-Vorsitzenden bleibe davon unberührt. Seehofer sprach von einem normalen Vorgang. "Jeder kann kandidieren, mir macht das keine Angst." Der designierte Ministerpräsident Bayerns, Beckstein, äußerte Zweifel, ob die Bewerbung ernst gemeint sei. Sie sei mit niemandem in der Partei abgesprochen. Gerade von Pauli, die für eine stärkere Einbindung der Mitglieder werbe, hätte man das erwarten können.

Führungskrise

Die Fürther Landrätin hatte die Führungskrise um Ministerpräsident und CSU-Chef Stoiber maßgeblich ins Rollen gebracht. Im Herbst 2006 forderte sie wegen schwacher Umfragewerte Stoibers Verzicht auf eine Spitzenkandidatur bei der Landtagswahl 2008. Sie bescheinigte dem Vorsitzenden darüber hinaus ein Defizit im Umgang mit Frauen. Im Dezember 2006 erhob Pauli Spitzelvorwürfe gegen die Staatskanzlei. Die Affäre führte in der CSU zu einer wochenlangen Führungskrise, die Mitte Januar in Stoibers Ankündigung gipfelte, dass er seine politischen Ämter im Herbst niederlegen werde. (APA/dpa)

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    Karneval in Franken: Gabriele Pauli in trauter Zweisamkeit mit Partei-Feind Edmund Stoiber.
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