Gegen Israel in der Favoritenrolle

14. Juli 2007, 23:50
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Bammer, Paszek und Co. streben mit Heimvorteil in Linz ein Comeback in der Elite-Gruppe der besten Nationen an

Linz - Der Tennis-Fed-Cup 2007 geht am Wochenende in eine entscheidende Phase. Im Halbfinale kämpfen die USA gegen Russland (in Stowe/Vermont auf Hartplatz) und Titelverteidiger Italien gegen Frankreich (in Castellaneta/Apulien auf Sand) jeweils mit Heimvorteil um die Plätze im Finale, das im September stattfindet. Eine Stufe darunter sind Österreichs Damen im Weltgruppen-Playoff auf Sand in Linz im Einsatz. Mit einem Heimsieg über Israel wäre die sofortige Rückkehr in die Elite-Gruppe der acht besten Nationen gesichert.

Drei Mal im Halbfinale

Österreichs Tennisverband ÖTV ist nicht nur Gründungsmitglied dieses seit 1963 bestehenden, wichtigsten Team-Events im Damen-Tennis. Die ÖTV-Damen gehörten im Laufe der 44 Jahre bemerkenswert häufig der Weltgruppe an. Dreimal, 1990, 2002 und zuletzt 2004, kam man sogar bis ins Halbfinale. Im Vorjahr musste aber, geschwächt durch Ausfälle und nach 0:5-Auswärts-Niederlagen in Spanien und Japan, erstmals seit sieben Jahren wieder der Weg zurück in die Weltgruppe 2 angetreten werden.

Zu diesem Format mit aus jeweils acht Ländern bestehenden Weltgruppen I und II, das es schon von 1995 bis 1999 gegeben hatte, war man 2005 zurückgekehrt. Dazwischen hatte die Weltgruppe aus 13 bzw. 16 Ländern bestanden. Im Gegensatz zum Pendant bei den Herren, deren Daviscup-Weltgruppe konsequent 16 Länder angehören, war auch der Ablauf des Fed Cup - vor allem aus kommerziellen Gründen - immer wieder geändert worden. Allein in den vergangenen sieben Jahren viermal, davon zwischen 2000 und 2001 dreimal in Folge.

Auch Meusburger und Klaffner im Team

Die Bezeichnung "Weltklasse" haben sich die ÖTV-Damen im Laufe der Jahrzehnte allemal verdient. Waren früher Damen wie Petra Huber, Judith Wiesner, Petra Ritter, Patricia Wartusch sowie die drei "Barbaras" Paulus, Schett und Schwartz (ist mittlerweile Assistant-Coach) Garanten auf Team-Erfolge, sind nun Sybille Bammer und die 16-jährige Tamira Paszek die Leistungsträgerinnen. In Linz wird das Team komplettiert durch Yvonne Meusburger und Melanie Klaffner.

Dieses Quartett hatte im vergangenen April mit einem 4:1-Heimsieg gegen Australien die Weichen für den sofortigen Wiederaufstieg gestellt. Hatte man in Dornbirn auf den Hype um die beiden Vorarlbergerinnen Paszek und Meusburger gesetzt, soll nun die lokale Begeisterung um die beiden Oberösterreicherinnen Bammer und Klaffner die Fans locken. 2.000 Plätze fasst der Centercourt, den man auf der Anlage des ATZ Linz errichtet hat.

1:1-Bilanz

Die ÖTV-Mädchen sind schon wegen des Heimvorteils leichte Favoritinnen. Zudem kann Teamchef Alfred Tesar nach früheren Querelen - Bammer wollte 2005 nach ihrer Ausbootung gegen Frankreich "nie wieder" spielen - seit heuer wieder auf das stärkste Team zurückgreifen. Bammer ist 24., Paszek nach ihrem jüngsten Wimbledon-Achtelfinale schon 35. und Meusburger 83. in der Weltrangliste. Gegen Israel hält man bei einer ausgeglichenen 1:1-Bilanz, die Begegnungen fanden aber schon in den 1980er-Jahren statt.

Das Team aus Israel verfügt mit der Weltranglisten-18. Shahar Peer derzeit über nur eine wirklich herausragende Spielerin. Ein Sieg in den beiden Einzeln gegen Peer wird wohl der Schlüssel zum Erfolg, davon ist nicht nur Österreichs Jungstar Paszek überzeugt. Heikel wäre eine Entscheidung erst im abschließenden Doppel. Die erkrankten Klemenschits-Schwestern fehlen in Linz, der Rest der ÖTV-Truppe ist in Fed-Cup-Doppeln noch sieglos.

Ein gefährlicher Gegner

Die Mannschaft aus Israel ist freilich brandgefährlich. Man will dort die "Jahrzehnte-Chance" des Aufstiegs unbedingt wahrnehmen, denn das Team wird es in dieser Form nicht mehr lange geben. Sowohl die frühere Weltranglisten-15. Anna Smashnova (30) als auch die bereits 34-jährige Tzipora Obziler stehen vor dem Rücktritt. In die zweite Weltgruppe war Israel gekommen, weil Indonesien wegen Sicherheitsbedenken nicht in Tel Aviv angetreten war. Indonesien wurde deshalb für den Bewerb 2007 gesperrt.

In Linz sind Sicherheitsprobleme wegen des Gegners aus einer politischen Krisenzone nur ein Randthema. Zwar ist verstärkt Polizei im Einsatz und das Gäste-Team hat auch privates Sicherheitspersonal mitgebracht, insgesamt sollte die Begegnung aber relativ unaufgeregt über die Bühne gehen.

Schnee in Argentinien

Gelegt hat sich die Aufregung auch vor dem Weltgruppen-Halbfinale in den USA. Russlands Kapitän Schamil Tarpischtschew hat sein Einreise-Visum letztlich doch bekommen. Dafür fiel auf Seiten der Russinnen nach Maria Scharapowa auch Swetlana Kusnezowa aus, die Gäste spielen mit Anna Tschakwetads, Nadja Petrowa, Jelena Wesnina und Alla Kudrjawzewa. Bei den Amerikanerinnen fällt Serena Williams wegen einer Daumenverletzung aus, sie wird von Meilen Tu ersetzt. Im Teams sind weiters Wimbledonsiegerin Venus Williams, Vania King und Lisa Raymond.

Die kurioseste Fed-Cup-Meldung kam aus Argentinien. Weil es in Cordoba erstmals seit 40 Jahren geschneit hatte, musste der Platz vor dem Weltgruppen-2-Playoff gegen Kanada erst vom Schnee befreit werden.(APA)

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    Kapitän Alfred Tesar und Spielerin Sybille Bammer.

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