Zur Prime Time um das Semifinale

14. Juli 2007, 22:46
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Gludovatz warnt vor US-Spieler Adu: "Kann ein­fach alles" - Teamchef plant Änderungen und denkt auch an eine Re­vanche gegen Spanien

Toronto - Österreichs Fußball-U20-Team setzt am Samstag (20:15 MESZ/live ORF1) im Viertelfinale gegen die USA zum nächsten großen Wurf bei der Nachwuchs-WM in Kanada an. Mit einem Sieg auf Kunstrasen in Toronto gegen die US-Amerikaner könnten die ÖFB-Jungkicker das "Sommermärchen" in Übersee endgültig perfekt machen, und das noch dazu vor wohl einigen hunderttausend TV-Zuschauern zur Prime Time in der Heimat.

"Komplett auf dieses Match fokussiert"

Der Auftritt vor so einem großen Fernseh-Publikum zur besten Sendezeit ist für praktisch alle U20-Spieler eine neue Erfahrung und könnte laut Teamchef Paul Gludovatz auch einen Extra-Schub Motivation bringen. "Wenn uns das belasten sollte, wären wir ohnehin falsch beraten", meinte der Burgenländer. Auch andere äußere Umstände interessieren den Coach herzlich wenig. "Wir sind komplett auf dieses Match fokussiert und denken nicht an Sachen wie Kunstrasen, Zeitumstellung oder Hitze."

Weit mehr Sorgen bereitet dem 61-Jährigen der US-Star Freddy Adu, zeigte doch der Kapitän im bisherigen Turnierverlauf phasenweise überragende Leistungen. "Der ist eine Zaubermaus, er kann einfach alles", sagte Gludovatz. Einen Leib-Gendarm für das 18-jährige "Wunderkind" abzustellen, kommt für den Teamchef freilich nicht in Frage. "Wir werden ihn im Raum decken", kündigte er an.

Freigeist hinter der einzigen Spitze

Adu agiert im US-Team vor einem Vierer-Mittelfeld als Freigeist hinter der einzigen Spitze. Wer beim ÖFB-Gegner an vorderster Front spielt, ist aber noch offen. New-York-Red-Bulls-Goalgetter Josmer Altidore musste beim mühevollen 2:1 nach Verlängerung im Achtelfinale gegen Uruguay nach 51 Minuten wegen einer Wadenverletzung ausgetauscht werden, ist aber optimistisch, bis Samstag fit zu werden.

Der Respekt des Burgenländers gilt aber nicht nur Adu und Altidore, sondern der gesamten US-Mannschaft. "Wenn man Brasilien und Uruguay schlägt, kann man nicht irgendwer sein." Die Erfolge der amerikanischen U20-Auswahl symbolisieren laut Gludovatz auch den Aufschwung des gesamten US-Fußballs. "Das, was in den Vereinigten Staaten in den letzten Jahren im Fußball gemacht worden ist, war herausragend. Die Spieler werden gern im Ausland verpflichtet, weil sie leicht integrierbar sind und ein taktisches Verständnis haben."

Polen-Match als Warnung

Der Teamchef stimmte seine Schützlinge am Freitag mit dem Video-Studium von USA - Polen (6:1) auf die Partie ein und holte Informationen über den Gegner unter anderem von den Salzburg-Scouts Didi Emich und Manfred Linzmaier sowie vom Tiroler Manager Nick Neururer und vom Technischen ÖFB-Direktor Willi Ruttensteiner ein, die allesamt bei den bisherigen Partien der Amerikaner in den Stadien gesessen waren. Ruttensteiner hatte das Achtelfinale gegen Uruguay beobachtet und danach die Chancen auf einen ÖFB-Aufstieg mit "mindestens 50:50" beziffert, worüber Gludovatz nicht gerade glücklich war. "Mir wäre es lieber gewesen, er hätte das nicht gesagt."

In eine Favoritenrolle will sich Gludovatz, der unbedingt ein Gegentor aus einer Standard-Situation vermeiden will ("Das würde mich kränken"), nicht drängen lassen. "Ich gehe davon aus, dass es ein enges Spiel wird, deswegen brauche ich etwas in der Hinterhand." Gegen Gambia hatte der Teamchef Erwin Hoffer überraschend zunächst auf der Bank Platz nehmen lassen, nach seiner Einwechslung avancierte der Rapidler zum Gold-Torschützen. Gut möglich, dass Gludovatz gegen die US-Boys auf eine ähnliche Variante setzt und von Beginn an nur Rubin Okotie stürmen lässt. Auch Martin Harnik dürfte wohl nicht von Beginn an aufgeboten werden.

Anfangs-Formation noch nicht fix

Über die Anfangs-Formation war sich Gludovatz aber selbst noch nicht im Klaren, die Mannschaft erfährt sie erst am Match-Tag. "Was dieses Thema betrifft, stehe ich ganz schön unter Druck. Die Aufstellung dürfte ein Luxus-Problem werden." Er werde "mit ziemlicher Sicherheit wieder viel ändern", kündigte Gludovatz an und betonte, diesbezügliche Entscheidungen wie schon zuvor von der physischen Verfassung seiner Kicker abhängig zu machen.

Die Werte seiner Kicker sind nach wie vor gut. Aufgrund der ständigen Wechsel zwischen Edmonton und Toronto sowie der Spiele im Drei-Tages-Rhythmus zeigen die Kicker zwar ganz leichte Ermüdungs-Erscheinungen, sind aber allesamt fit. Auch deshalb verzichtet Gludovatz auf reines Regenerations-Training und richtet seine Planungen schon auf ein mögliches Semifinale aus, in dem Spanien der Kontrahent sein könnte. Gegen die Iberer gingen die ÖFB-Junioren vor einem Jahr im Semifinale der U19-EM in Polen 0:5 unter. "Dieses Resultat stört mich immer noch", meinte der Teamchef.

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    "Ich gehe davon aus, dass es ein enges Spiel wird, deswegen brauche ich etwas in der Hinterhand"

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