Prozess um Kinder-Verwahrlosung: Staatsanwalt für Einweisung in Anstalt

13. Juli 2007, 18:31
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53-jährige Mutter soll Töchter jahrelang abgeschottet haben: "Fühle mich nicht geisteskrank" - Kein Urteil am Freitag

Klagenfurt - Keinerlei Einsicht hat jene 53-jährige Oberösterreicherin am Freitag am Landesgericht Klagenfurt gezeigt, die laut Staatsanwaltschaft Klagenfurt ihre drei Töchter jahrelang von der Außenwelt abgeschottet und vernachlässigt hatte. Die Anklage forderte die Einweisung der Betroffenen in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher. "Ich fühle mich nicht geisteskrank", meinte die Frau gegenüber dem Schöffensenat.

"Sie fühlen sich nicht krank, obwohl mehrere Ärzte sagen, dass sie unter einer paranoiden Schizophrenie leiden?", fragte Richterin Michaela Wietrzyk. Die 53-Jährige nickte. "Aber warum waren Sie schon 2001 im Krankenhaus?", hakte Staatsanwältin Carmen Riesinger nach. "Weil eine Nachbarin mich mit dem Laser blendete", antwortete die Gefragte.

"Sie hatten also Angst, dass ihre Nachbarin etwas in ihrem Kopf gemacht hat", fasste die Anklägerin zusammen. "Ja", lautete die lapidare Antwort. Aus einem Arztprotokoll aus ginge auch hervor, dass die Betroffene sich damals von 30 Autos verfolgt gefühlt hatte, ergänzte die Richterin. "Die Kinder haben sich schlecht gefühlt, weil sie Angst hatten, dass wir durch den Vater auseinadergerissen werden", antwortete die Frau auf die Frage, warum ihre Töchter das Wohnhaus so selten verlassen hätte. Nach der Scheidung im Jahr 1999 hätte sie eine "Notsituation" erlebt.

Keine Hilfe von außen

Warum sie jedoch keine Hilfe von außen angenommen hatte, konnte die Oberösterreicherin nicht schlüssig erklären. "Es hätte nix gebracht, das Hauptproblem war der Vater der an der Familie zerrte", wiederholte die 53-Jährige mehrmals. "Mir war es wichtig, dass die Kinder bei mir sind, ich bin sehr kinderliebend", räumte die Betroffene an einer anderen Stelle ein. Den Schulbesuch ihrer Töchter habe sie aber nie untersagt. "Sie waren immer so müde", begründete die Frau das Fernbleiben ihrer Kinder vom Unterricht. Ihre älteste - heute 20 Jahre alte - Tochter hatte nach der zweiten Klasse Gymnasium keinen regulären Unterricht mehr besucht.

Dass ihre Wohnung in Linz-Urfahr "vermüllt" gewesen sei bestritt die Frau, wenngleich sie einräumte, dass es "zum Schluss insgesamt sehr wüst" ausgesehen habe. Neben "ein paar Zeitungen" seien einige Müllsäcke herum gelegen. Schuld daran sei jedoch die Linzer Müllabfuhr, die nur alle 14 Tage käme.

Das Verfahren wurde am Nachmittag mit der Anhörung mehrerer Sachverständiger fortgesetzt. Ein Urteil wurde wegen zahlreicher Beweisanträge der Verteidigung am Freitag nicht erwartet. (APA)

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