Pauli sorgt mit CSU-Kandidatur für Kontroverse

13. Juli 2007, 17:32
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Fürther Landrätin will von ihr heftig kritisierten Stoiber ablösen - Beckstein: Bewerbung um Parteivorsitz hat "nicht den Hauch einer Chance"

Zirndorf/München - Die bayerische Landrätin Gabriele Pauli aus dem Landkreis Fürth spürt für ihre Kandidatur zum CSU-Parteivorsitz Unterstützung aus der Basis. Seit der Ankündigung ihrer Bewerbung habe sie bereits viel Zustimmung erfahren, sagte die als Kritikerin des scheidenden Parteichefs Edmund Stoiber bekannt gewordene Politikerin am Freitag in Zirndorf. "Auch aus der Mitte der Parteitags-Delegierten kommen Stimmen, die es gut finden." Pauli bezeichnete ihre Kandidatur als einen "Gewinn für die CSU". Dagegen nannten der designierte bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU) und Ex-CSU-Chef Theo Waigel die Bewerbung chancenlos.

Die 50-jährige Pauli hatte am Donnerstag bekannt gegeben, dass sie sich auf dem CSU-Parteitag Ende September um die Nachfolge Stoibers als CSU-Chef bewerben werde. Sie warf den bisherigen Kandidaten, dem deutschen Landwirtschaftsminister Horst Seehofer und dem bayerischen Wirtschaftsminister Erwin Huber, vor, kein Programm zu haben. "Da vermisse ich die Inhalte." Es gebe nur noch eine Personen-Diskussion. Die Mitglieder erwarteten aber neue Ideen und Gesichter.

Pauli will nach eigener Aussage eine "Erneuerung" der Partei auf den Weg bringen. Sie wolle Zeichen setzen, "dass es eine andere Richtung gibt, dass es neue Gedanken gibt, die hier Eingang finden müssen", sagte die Landrätin. Dies sei "ein Gewinn für die CSU, und das ist für mich ein Erfolg".

Über eine Bewerbung um den Vize-Parteivorsitz bei einer Niederlage habe sie sich noch keine Gedanken gemacht. Die CSU sei ihre "politische Heimat", betonte Pauli. Sie wolle "gerade diese Tendenz stoppen, dass immer mehr Mitglieder rausgehen aus der CSU". Die Landrätin wies zugleich die Einschätzung von Kritikern zurück, sie mache sich mit ihrer Kandidatur lächerlich. "Ich wüsste nicht, wo ich mich selbst beschädige."

Nach Ansicht des designierten bayerischen Ministerpräsidenten Beckstein ist Paulis Bewerbung zum Scheitern verurteilt. Pauli habe "nicht den Hauch einer Chance", sagte der bayerische Innenminister im Deutschlandfunk. Er bezweifelte, dass Pauli ihre Kandidatur ernsthaft betreibt. Sollte dies aber der Fall sein, verkenne sie die Lage in der Partei völlig. Im Kampf um die Nachfolge von CSU-Chef Edmund Stoiber favorisiert Beckstein Wirtschaftsminister Huber. Er sei eher als Seehofer in der Lage, die Partei wieder auf Linie zu bringen.

Auch der frühere CSU-Chef Waigel hat die Bewerbung Paulis für den Parteivorsitz als schweren politischen Fehler bezeichnet. "Frau Pauli hat zu Beginn der CSU-Krise alles richtig gemacht, seit einiger Zeit macht sie fast alles falsch", sagte Waigel der Onlineausgabe des Magazins "Stern". "Ihre Kandidatur ist ein schwerer Fehler", fügte er hinzu. Die Erfolgsaussichten der Kandidatur ihre Kandidatur lägen bei weniger als Null.

SPD-Landeschef Ludwig Stiegler sprach von einem "Bauerntheater" der CSU, von dem die SPD im Freistaat profitieren könne. "Wir müssen der CSU die Gelegenheit geben, sich selbst zu erledigen", sagte der SPD-Landesvorsitzende im Südwestrundfunk. Gleichzeitig würdigte er aber auch Pauli und sagte, diese habe in diesem "Stück" "als einzige Tapfere" den legitimeren Anspruch auf die Stoiber-Nachfolge, weil sie allein den "Hirsch" (Stoiber) zur Strecke gebracht habe.

Pauli betonte dagegen, die CSU werde von ihrer Kandidatur profitieren. "Die Mitglieder sollen eine weitere Alternative haben." Für ihre Kandidatur habe sie sich aber keine konkreten Ziele gesetzt, wie viele Stimmen sie erhalten könne. Sie überlege nicht zuerst, wo Mehrheiten seien. "Allein die Kandidatur ist ein Erfolg." "Was ich mache, ist richtig und gut", unterstrich die CSU-Politikerin. Sie könne nicht sehen, dass sie sich damit selbst beschädige. Sie traue sich den CSU-Vorsitz zu. Die Partei sei auch weiterhin ihre politische Heimat. (APA/dpa/AP)

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    Gabriele Pauli will für den Parteivorsitz der CSU kandidieren.

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