Frauenbewegter Wohnraum in Wien

15. Juli 2007, 18:00
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Das Frauenwohnprojekt ro*sa zeigte langen Atem und beginnt im Jänner 2008 mit dem Bau - Die Architektin und Initiatorin Sabine Pollak im Gespräch - mit Aufruf

Wohnräume, Wohnträume: Medien und Werbung werden nicht müde, Frauen ein besonderes Interesse am Wohnen, am Gestalten der eigenen vier Wände zu unterstellen. In Wirklichkeit befindet sich der Wohnbau aber noch fest in Männerhand, d.h. Frauen haben bis heute kaum Einfluss auf die Gestaltung von (leistbarem) Wohnraum. Ein Umstand, der sich mit dem ambitionierten Frauenwohnprojekt ro*sa nun endlich auch in Österreich ändern soll.


Die Architektin Sabine Pollak kann ein Lied davon singen. Angefangen von der Planung über die Finanzierung, das Management bis zur Umsetzung - in all diesen Bereichen des Wohnbaus dominieren Männer: "Das schlimme ist nur, dass Frauen in diesen Wohnflächen leben müssen," meint sie gegenüber dieStandard.at. Seit der Arbeit an ihrer Habilitation hatte die Wohnbauforscherin an der TU Wien den Wunsch "nicht nur zu schreiben, sondern auch zu bauen". Dem Vorbeiplanen an den Interessen von Frauen wollte sie ein eigenes Frauenwohnprojekt entgegensetzen. So entstand die Idee für ro*sa, das erste vollständige Frauenwohnprojekt in Wien.

Die Initiative startete bereits im Jahr 2003 und lud alle interessierten Frauen ein, über ein eigenes Haus nachzudenken. Nach mehreren Workshops und einer langen Planungsphase, in der Bedarf, Wünsche, Finanzierung und Organisationsform geklärt wurden, ist es nun so weit: Die Bauarbeiten für ro*sa, einem Wohngebäude für ca. 45 Wohneinheiten, beginnen im Jänner 2008.

Standort

Der lang gesuchte Baugrund befindet sich in Wien-Donaustadt nahe dem Kagraner Platz. Der Standort vereint die gewünschte Nähe zum Grünen und eine gute Anbindung an das Stadtzentrum. Mit der GPA, der Wohnbauvereinigung für Privatangestellte, konnte auch ein potenter Bauträger gefunden werden. Organisiert ist das Wohnprojekt nach dem Genossenschaftsprinzip, wobei die Frauen aber ganz reguläre Mietverträge erhalten werden.

Zielgruppe

Welche Frauen-Leben will ro*sa künftig beherbergen? Sabine Pollak verweist hierbei auf "Erfahrungswerte", die sich in den Workshops ergeben haben: "Wir sehen einen großen Bedarf an Wohnraum für alleinstehende Frauen ab 55 bis 70, dann natürlich auch Alleinerziehende, Frauen mit Patchworkfamilien, WGs und zu einem gewissen Teil auch Studentinnen." Dass diese Gruppen traditionell weniger Geld zur Verfügung haben, ist ein Grundgedanke des Projektes: "Der Wohnraum soll auf jeden Fall kostengünstig sein," betont Pollak.

Lebensentwürfe

Die unterschiedlichen Wohnansprüche dieser Frauen eint das Problem, dass sie vom herkömmlichen Wohnbau kaum bedient werden: "Mit ro*sa wollen wir neue Wohnkonzepte qualitätsvoll und leistbar umsetzen: Die klassischen Grundrisse für Kleinfamilien sind für Alleinerzieherinnen und auch Patchworkfamilien nicht mehr kompatibel." Statt großen Elternschlafzimmern, kleiner Küche und noch kleineren Kinderzimmern sollen Wohnungen mit annähernd gleich großen Räumen entstehen mit kommunikativen Wohnküchen, die das klassische Wohnzimmer obsolet machen - um nur ein Beispiel zu nennen.

Und natürlich soll es beim Frauenwohnprojekt auch um die Gemeinschaft gehen: "Angedacht sind wirklich attraktive Gemeinschaftszonen, die Frauen für gemeinsame Aktivitäten nutzen können." So ist bereits ein begrüntes Flachdach als gemeinsame Terrasse fix eingeplant.

Vorgesehen ist auch ein Mieterinnenverein, der einen Teil der Hausorganisation übernimmt. Klingt nach Arbeit? "Natürlich sollten die Mieterinnen das Interesse an einer Gemeinschaft mitbringen, aber das liegt dann bei der Gruppe, wie intensiv die Kontakte gepflegt und welche Aktivitäten geplant werden."

Männer bei ro*sa

Für Männer soll der Zutritt zum Frauenwohnprojekt nicht verschlossen bleiben. Allerdings halten es die Initiatorinnen für wünschenswert, wenn die Mietverträge an Frauen ausgestellt werden. Grundsätzlich lässt sich dies jedoch nicht festschreiben, denn: "Eine solche Regelung würde zurecht gegen das in Österreich geltende Gleichbehandlungsgesetz verstoßen", meint Pollak. Als Mitbewohner seien Männer jedenfalls gerne willkommen.

Aufruf

Für die Schlussphase der Planung sucht ro*sa nun noch konkret Interessierte, die die Chance nutzen wollen, ihren Wohnraum selbst mitzugestalten. Der Aufruf richtet sich an alle Altersstufen mit oder ohne PartnerInnen, Familien und auch Wohngemeinschaften. Am 24. Juli fand ein Info-Abend für alle Neu- Interessierten statt. Wer also auf der Suche nach einem frauenbewegten Wohnraum ist, sollte sich diese außergewöhnliche Chance nicht entgehen lassen. (Ina Freudenschuss, dieStandard.at/16.7.2007)

Für weitere Fragen steht Frau Mariana Potocnik per E-Mail zur Verfügung.
  • Dimplom-Architektin Sabine Pollak ist Initiatorin des Frauenwohnprojektes ro*sa. Ihr Architekturbüro "Köb&Pollak Architektur" wird den Bau in Kagran ausführen.
Pollak ist Professorin an der TU Wien in der Abteilung Wohnbau. Sie forscht zu den Themen Wohnbau sowie Gender und Wohnen.
    foto: pollak
    Dimplom-Architektin Sabine Pollak ist Initiatorin des Frauenwohnprojektes ro*sa. Ihr Architekturbüro "Köb&Pollak Architektur" wird den Bau in Kagran ausführen.
    Pollak ist Professorin an der TU Wien in der Abteilung Wohnbau. Sie forscht zu den Themen Wohnbau sowie Gender und Wohnen.
  • Wohnbau für Frauen: Für einen Bauträger-Wettbewerb im Jahr 2006 wurden bereits erste Entwürfe für das Frauenwohnprojekt präsentiert.
    foto: pollak
    Wohnbau für Frauen: Für einen Bauträger-Wettbewerb im Jahr 2006 wurden bereits erste Entwürfe für das Frauenwohnprojekt präsentiert.
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