Sarkozy jagt die linken "Elefanten"

18. Juli 2007, 11:50
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Immer mehr französische Sozialisten laufen ins Lager des Präsidenten über

Die Reihe ist an Jack Lang: Der langjährige und populäre Ex-Kulturminister der Ära François Mitterrand (1981–1995) hat seine leitenden Ämter in der Parti Socialiste (PS) niedergelegt. Er wird dem Lockruf aus dem Elysée-Palast folgen: Im Auftrag von Nicolas Sarkozy dürfte er einen Schlüsselposten in einer neu geschaffenen „Kommission für institutionelle Reform“ annehmen. Am Donnerstag, einen Tag, nachdem Lang seine Ämter niedergelegt hatte, forderte er in einem Interview gar den kollektiven Rücktritt der gesamten PS-Spitze.

Lang ist nicht der einzige prominente Sozialist, der das Lager wechselt: Bereits am Dienstag hatte Dominique Strauss-Kahn die von Sarkozy betriebene Nominierung zum Vorsteher des Internationalen Währungsfonds (IWF) akzeptiert. Im Juni hatte der neue Staatschef den bekannten Gründer von „Ärzte ohne Grenzen“ und späteren Kosovo-Verwalter, Bernard Kouchner, zu seinem Außenminister ernannt.

Sarkozy rechtfertigte seine erstaunliche „Öffnung“ dieser Tage in einem Interview: „Ich bin Präsident aller Franzosen, und die Republik braucht die Qualifiziertesten aller Lager.“ Doch dieses Motiv ist nur ein Teil der Wahrheit. Vor den Parlamentswahlen im Juni hatte Sarkozy mit der taktischen Nominierung Kouchners die Sozialisten meisterhaft an die Wand gespielt. Deren Chef François Hollande fand bis heute kein Mittel, um das Überlaufen zu stoppen.

Jetzt sollen die gewendeten Sozialisten das Bild eines sozialen Präsidenten unterstützen, um die schmerzhaften Wirtschaftsreformen Sarkozys besser durchziehen zu können. Nachdem er schon Martin Hirsch, den Präsidenten des Armenhilfswerkes Emmaüs, in seine Regierung geholt hatte, versucht er nun auch den Linkssozialisten Laurent Fabius abzuwerben und kontaktierte laut Pariser Medien auch andere „Elefanten“, wie die sozialistischen Parteispitzen genannt werden. Während das letzte Häuflein der Getreuen um Hollande mehr und mehr verzweifelt, „amüsiert dieses kleine Spiel den Staatschef mächtig“, schreibt die Libération.

Etwas problematischer für Sarkozy ist der wachsende Unmut auf der Rechten über die präsidiale Taktik. Als der Elsässer Sozialist Jean-Marie Bockel Staatssekretär wurde, platzte Regionalpolitikern der Regierungspartei UMP der Kragen: Wie sollten sie denn bei den Lokalwahlen 2008 Kampagne gegen den sozialistischen Bürgermeister Mülhausens machen, wenn dieser gleichzeitig im Sold des Staatspräsidenten stehe, wurde Sarkozy bei einem Treffen im Elysée gefragt.

Doch große Sorgen wegen dieser internen Proteste macht sich Sarkozy nicht: Der Staatschef schwingt sein Szepter derzeit nach freiem Belieben. (Stefan Brändle aus Paris/DER STANDARD, Printausgabe, 13.7.2007)

  • Foto: AP/Remy de la MauviniereEx-Kulturminister Lang wechselt die Seiten.

    Foto: AP/Remy de la Mauviniere

    Ex-Kulturminister Lang wechselt die Seiten.

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