Bayern dürfen nicht nach Kroatien

16. Juli 2007, 15:52
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Die kroatische Nationalbank lehnt die BayernLB als Käufer der Hypo Croatia wegen "schlechter Erfahrung" ab

Wien – Unerwartete Probleme für die Bayerische Landesbank (BayernLB) beim Kauf der Mehrheit der Kärntner Hypo Group Alpe Adria. Die kroatische Nationalbank hat am Mittwoch den Antrag der Bayern zurückgewiesen, die kroatische Hypo-Banktochter zu übernehmen.

Laut Nationalbank in Zagreb sei das Entscheidungsgremium geteilter Meinung gewesen, die Letztentscheidung traf daher der Gouverneur selbst, Zeljko Rohatinski. Er habe sich "unabhängig von politischen oder anderen Argumenten dazu entschieden, den Antrag zurückzuweisen".

Am Donnerstag erklärte er die beiden Pole, zwischen denen die Entscheidungsträger ursprünglich geschwankt hatten: Bei ihrem Engagement in der Rijecka Banka (ab dem Jahr 2000; Anm.) habe sich die BayernLB "weit entfernt vom professionellen Level einer Bank ihres Rufs" bewegt.

Andererseits seien die Bayern eine "sehr respektable deutsche Bank in Staatsbesitz, und Deutschland", mit dem man sehr gute Beziehungen pflege, "unterstützt Kroatien bei einer Annäherung an den EU-Beitritt". Er, der Gouverneur, wisse um "das Gewicht dieser Entscheidung" und habe sich trotzdem gegen den erneuten Markteintritt der Bayern entschieden. Rohatinski wörtlich: "Ich bin tief davon überzeugt, dass das die richtige Entscheidung ist."

Debakel

Der Grund für die Unbeliebtheit der Münchner in Zagreb: Die BayernLB hatte Mitte 2000 die Mehrheit der drittgrößten kroatischen Bank, Rijecka Banka, vom Staat gekauft. Keine drei Jahre später endete das Engagement in einem veritablen Debakel: Kriminelle Machenschaften von Bankmitarbeitern rund um Devisengeschäfte bescherten der Rijecka Banka in der Bilanz 2001 Verluste von angeblich 100 Mio. Euro. Die Bayern schossen jedoch kein Geld nach, sondern kapitulierten – und gaben dem Staat ihren Anteil um einen symbolischen Euro zurück.

Die kroatische Notenbank interpretiert das rückblickend so: "Die Krise entstand aus mangelndem Controlling ... der Eigentümer verließ die Bank im allerkritischsten Moment und überließ es kroatischer Regierung und Notenbank, mit dem Run auf die Bank ... und dem Vermeiden von Domino-Effekten fertig zu werden".

Vergangenheit lebt auf

Für Deutschland, die Bayern und die Verkäufer rund ums Land Kärnten und die "Investorengruppe" von Bankchef Tilo Berlin (die sich auf einen Erlös von 1,6 Mrd. Euro freuen) ist die rote Karte aus Zagreb ein Schlag ins Gesicht. Die kroatische Hypo ist das Filetstück der Hypo, über das sie sich Zutritt in den südosteuropäischen Markt verschaffen wollen – und die Bayern haben sich erst im Rennen um die Bawag kalte Füße geholt.

Dementsprechend zweckoptimistisch zeigen sie sich, dass der größte Kauf ihrer Unternehmensgeschichte damit doch noch nicht sinnentleert wird. In einer Aussendung gehen sie davon aus, "dass es sich um eine erstmalige Beratung des Antrags auf Genehmigung handelt", man sei "zuversichtlich, "offene Fragen als Grundlage für eine positive Entscheidung ... zufrieden stellend beantworten zu können". Auch Othmar Ederer, Chef von Hypo-Aktionär Grawe, übt sich in Optimismus: "Der Deal ist nicht gefährdet."

Anfechten müssten die Banker die Entscheidung vor dem Verwaltungsgerichtshof; informelle Friedensgespräche sind aber fixiert: Am Dienstag reisen Politiker sowie Münchner und Kärntner Banker nach Zagreb, um die Sache mit kroatischer Notenbank und Regierung zu applanieren. (Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13.7.2007)

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