Vom Absturztraining bis zur Zentrifuge

27. Juli 2007, 10:51
98 Postings

Vier Piloten des Bundesheeres haben die Eurofighter-Ausbildung bereits absolviert

Zeltweg – Wenn der erste Eurofighter nächste Woche über Österreichs Himmel kracht, dann sitzt Jörg Sandhofer (38) Pilot mit dem Dienstgrad Hauptmann, drinnen.

Er und drei weitere Piloten des Bundesheeres, nämlich Werner Kriebitz, Bernd Piff sowie Roland Miedler, haben das monatelange, beinharte Ausbildungstraining in Deutschland schon hinter sich gebracht – und dürfen nun den neuen Abfangjäger fliegen. Was auf weitere zwanzig Kollegen, die dann auch ins Cockpit dürfen, auf der Luftwaffenbasis in Laage und Umgebung noch zukommt, schilderte Sandhofer dem STANDARD so: „Unter einem solchen Erfolgsdruck wie dort bin ich noch nie gestanden.“

Am härtesten sei für ihn die Zentrifugenprüfung gewesen, bei dem sich die Piloten im Kreis schleudern lassen müssen. Zweck der Übung: Bei bestimmten Manövern in der Luft, wenn man etwa eine enge Kurve fliegt, wächst das Körpergewicht im Eurofighter bis aufs Neunfache an. Für einen Mann wie Sandhofer, der 70 Kilogramm auf die Waage bringt, bedeutet das also 630 Kilogramm – was freilich nur mit einer Spezialausrüstung sowie einer bestimmten Press-atemtechnik auszuhalten ist. Außerdem wird dabei jedes Heben der Arme oder der Beine zur Qual. Deswegen sind im Eurofighter auch alle wichtigen Schalter am Gashebel und am Steuerknüppel angebracht, damit der Pilot keine aufwendigen Bewegungen während des Fluges ausführen muss. „Gleichzeitig pumpt das Herz so viel Blut in den Kopf hinauf, dass man nahezu bewusstlos wird“, erzählt der Pilot heute noch schaudernd von seinen Erfahrungen in der Zentrifuge. „Bei mir stand da die Ausbildung fast auf der Kippe.“

Auch nicht gerade zimperlich sei das Worst-Case-Szenario, der Absturz, in der Nordsee geprobt worden: Mitten im November wurden die Piloten dafür ins bitterkalte Meer geschmissen. Schließlich könnte es einmal passieren, dass sich die Flieger per Schleudersitz aus dem Kampfjet retten müssen.

Fast schon harmlos macht sich dagegen der Umfang der Bedienungsanleitung des Eurofighter aus, die das österreichische Flugpersonal in Deutschland stucken musste – schlanke 6000 Seiten.

Im Vergleich zu den Draken, den Saab 105 und den Schweizer F-5, mit denen bisher der Luftraum überwacht wurde, „übertrifft der Eurofighter an technischem Können alles“, schwärmt Sandhofer. „Die alten Flieger waren bei bestimmten Manövern schon an der Grenze, bevor der Pilot an seine gestoßen ist.“ Beim neuen Gerät ist eher umgekehrt: „Bei meinem ersten Flug im März war ich im Cockpit derart angespannt, dass ich den Knüppel beim Bedienen richtig gewürgt habe.“ (Nina Weißensteiner, DER STANDARD, Printausgabe 13.7.2007)

  • Eurofighter-Pilot Sandhofer: vor lauter Anspannung „den Knüppel gewürgt“.
    foto: bmlv

    Eurofighter-Pilot Sandhofer: vor lauter Anspannung „den Knüppel gewürgt“.

Share if you care.