Wolfgang Ambros: "Austro-Pop is mir wurscht"

19. Juli 2007, 15:00
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Reminiszenzen und Vorausblicke anlässlich der Gold-Verleihung an die Live-DVD "Ambros - Pur!"

Wien - "Diese DVD bedeutet mir persönlich sehr viel, weil wir damit gezeigt haben, dass wir die Plattenindustrie nicht brauchen". So Produzent Rudi Dolezal am Donnerstag bei der Verleihung einer goldenen DVD an Wolfgang Ambros für seine jüngste DVD "Ambros - Pur!". Ambros, der den Live-Mitschnitt ursprünglich gar nicht machen wollte, zeigte sich ebenfalls zufrieden: "Unterschwellig habe ich an eine Sensation gedacht, aber wir haben uns gehütet, es öffentlich zu sagen."

Das Unplugged-Konzert, das im Rahmen der Benefiz-Auftritte für die "Kwale-Hospital-Foundation" entstanden ist, hat sich bisher über 5.000 mal verkauft und belegt seit sechs Wochen Platz Eins der österreichischen DVD-Charts. Ambros nennt die guten Verkäufe ein "Beispiel für Fan-Demokratie". Das rund 90-minütige Konzert in der Wiener Kulisse zeigt ihn nur mit Gitarre und Klavierbegleitung von Günter Dzikowski. Der 55-jährige Musiker ist in den kommenden Monaten mit rund zwei Dutzend Shows weiterhin auf Tournee. Zwei in intimerem Rahmen stattfindende "Ambros - Pur!"-Auftritte gibt es am 25. und 26. September im Theater am Spittelberg in Wien.

Am Rande der Gold-Verleihung sprach die APA mit Ambros über den schnellen Erfolg der Eigenproduktion von DoRo, dessen Bedeutung für den Austro-Pop allgemein und seine Erfahrungen mit Georg Danzers Tod.

APA (Sonja Harter): Ihrer Karriere mangelt es ja nicht an großen Erfolgen. Was bedeutet der Gold-Status der DVD "Ambros - Pur!" noch für Sie?

Wolfgang Ambros: Es ist eine große Freude. Unterschwellig habe ich an eine Sensation gedacht, aber wir haben uns gehütet, das öffentlich zu sagen. Also haben wir die DVD auch ziemlich sang- und klanglos veröffentlicht. Als sie dann von Null auf Platz eins in die Charts eingestiegen ist, habe ich zum ersten Mal wirklich gedacht, dass es sich vielleicht doch ausgehen könnte.

APA: Was bedeutet dieser Erfolg, den nur wenige österreichische Musiker mit einem Live-Mitschnitt schaffen, für den Austro-Pop allgemein?

Ambros: Das ist mir wurscht. Ich nehme das als meinen und Rudi Dolezals Erfolg. Mir ist der Austro-Pop wurscht, weil ich da nicht dazugehöre.

APA: Bei aller Freude über den Erfolg der DVD waren die vergangenen Wochen doch auch vom Tod Georg Danzers getrübt. Wie haben Sie seinen Abschied erlebt?

Ambros: Das letzte "Austria 3"-Konzert in der Stadthalle (16. April 2007, Anm.) war eine bravouröse Glanzleistung. Wir hatten uns ja bereits getrennt, bevor Georgs Krebs-Erkrankung bekannt wurde. Auf Grund der dramatischen Umstände haben wir uns dann für diesen gemeinsamen Auftritt entschieden. Nach diesem Konzert haben Georg und ich allerdings nur mehr telefoniert, ich habe gewusst, wie schlecht es ihm gegangen ist.

APA: Wie ist Georg Danzer Ihrem Gefühl nach mit der Gewissheit seines baldigen Sterbens zurecht gekommen?

Ambros: Er ist wie ein Mann damit umgegangen. Eigentlich eben typisch Georg Danzer.

APA: Können Sie sich vorstellen, weiterhin mit Rainhard Fendrich aufzutreten oder Ähnliches?

Ambros: Naja. Wir hatten sogar Pläne für nächstes Jahr, der Tod hat die Reunion obsolet gemacht. Aber auf Biegen und Brechen mit Rainhard allein weiterzumachen, halte ich nicht für sinnvoll.

APA: Wie geht es Ihnen derzeit gesundheitlich?

Ambros: Mein Knie tut weh, manchmal mehr, manchmal weniger. Aber ich bin voll beschäftigt, ich habe immerhin schon zehn Konzerte gespielt.

APA: Ihr jüngstes Album "Steh grod" ist ja erst im vergangenen Jahr veröffentlicht worden. Gibt es schon neue Pläne?

Ambros: Langsam denke ich wieder daran, mit dem neuen Material etwas anzufangen. Allerdings denke ich mir auch, dass man nicht allzu viel machen darf, weil sonst wird das inflationär. Außerdem genieße ich auch sehr die Zeit dazwischen. (APA)

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    Ambros und sein Produzent bei der Verleihung am Donnerstag

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